Messerer

Aus Mittelalter-Lexikon
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Messerer (mhd. mezzeraere; lat. faber cultrarius, cultellator = Messerschmied). Vom 14. Jahrhundert an gab es neben dem auf die Herstellung zweischneidiger Trutzwaffen spezialisierten Schmied, dem Klingenschmied oder Klinger, das Handwerk des Messerschmieds. Dieser fertigte Stichwaffen und Schneidewerkzeuge mit einseitiger Schneide (Dolche, Hau-, Waid-, Schnitz-, Feder-, Rasier-, Reb-, Metzgers-, Küchen-, Vorlege-, Tafelmesser usf.) sowie Scheren und Vorlegegabeln. Außerdem hatte er mancherorts zusätzlich zum eigenen Gewerbe das Monopol auf die weitere Ausstattung (mit Griff, Parierstange, Gefäß [Bügelwerk, Korb] und Scheide) sowie auf den Vertrieb der vom Klingenschmied gefertigten Klingen. Erst im 15. Jahrhundert wurde auf Betreiben der Klingenschmiede das Verlagsrecht der Messerer aufgehoben. Das Messererhandwerk war ein „geschenktes Handwerk“, d.h. wandernde Messerergesellen hatten das Recht, bei jedem Meister um Arbeit nachzufragen und mussten im Falle abschlägigen Bescheids mit einem Geschenk abgefunden werden. (Zu den geschenkten Handwerken gehörten auch Goldschmiede, Schlosser, Sporer, Kannengießer, Kürschner, Nestler, Beutler, Riemenschneider, Sattler, Weißgerber und Pergamenter, Steinmetze und Schreiner.)

Wie Untersuchungen an hochwertigen mittelalterlichen Messerklingen ergaben, bestand deren Rückenteil aus kohlenstoffarmen Weicheisen, wogegen die Schneide durch wiederholtes Ausschmieden aus härterem kohlenstoffreichen war. Die Nahtstelle der beiden Bahnen machte sich durch einen Grat kenntlich.

Klingen hochwertiger Stichwaffen wurden mit der Technik des Damaszierens gefertigt. Mit fortschreitender Spezialisierung emanzipierten sich im Spätmittelalter Härter, Schleifer, Schwertfeger und Heftmacher vom Gewerbe der Klingenschmiede und Messerer, die diese Arbeiten bis dahin ausgeführt hatten. Messerermeister behielten jedoch in der Handwerksfamilie die Vorrangstellung; ihnen blieben Qualitätskontrolle und Genehmigung der Markenkennzeichnung bei Fertigprodukten vorbehalten. In Nürnberg gab es Mitte des 14. Jahrhunderts 57 Messerermeister, 14 Klingenschmiede und 11 Schwertfeger.

Aus der Vielzahl mittelalterlicher Messer-Formen für universelle oder spezielle Verwendungszwecke sei ein originelles Klappmesser genannt, das in etwa dem heutigen „Hirtenmesser“ entspricht. Die Klinge ist an einem schleifenförmigen Metallgriff angenietet, und kann bei Nichtgebrauch unter diesen zurückgeklappt und so gefahrlos mitgeführt werden. Derartige Messer dienten außer zu unzähligen alltäglichen Zwecken auch zum Zuschneiden von Schafsklauen, woher wohl die Bezeichnung rührt.