Kohle

Aus Mittelalter-Lexikon
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Kohle, Steinkohle (mhd. kol, kul, v. german. kula; lat. carbo, terra nigra). Ein fossiles Sedimentgestein, entstanden aus der Zersetzung von Pflanzenmaterial (in dem Karbon genannten Erdzeitalter vor ca. 345-280 Jahren). Aufgrund seines hohen Kohlenstoffgehalts brennt es und setzt dabei Hitze frei. (Braunkohle hat einen Heizwert von 3.000 - 5.000 Kcal/kg, Steinkohle von 5.000 8.300 Kcal/kg und Holzkohle von 1.500 - 2.500 Kcal/kg.)
Im 12. Jh. kam im Aachener Revier zum Steinkohleabbau, dem frühesten in Europa. Um das Jahr 1300 belegen Urkunden auch den Kohleabbau an der Ruhr, wenig später auch an Saar und Maas. Nachdem oberirdische Flöze abgebaut worden waren, ging man von der Kohlegräberei zum bergmännischen Tiefbau über, der um die Mitte des 15. Jh. Tiefen von 120 Meter erreichte. – Als Brennstoff fand die Kohle Verwendung zunächst bei Prozessen, für die bis dahin Holzkohle verwendet worden war: so z.B. beim Schmieden, Töpfern, Kalkbrennen, Backen und Bierbrauen.
Im ma. Volksglauben wurden glühende Kohlen mit den höllischen Qualen assoziiert. Glühenden Kohlen wurden auch apotropäische und heilende Kräfte zugetraut, und so galt Wasser, in das glühende Kohlen geworfen worden waren, als Heilmittel. (Bei den genannten und vielen anderen abergläubischen Bräuchen ist jedoch anzunehmen, dass sie – zumindest ursprünglich – auf Holzkohle gemünzt waren.) – Wo sich Menschen bei geschlossenen Fenstern an Kohlefeuer gewärmt und dabei den Tod gefunden hatten, galten sie als „vom Teufel geholt“. Dass Dohlen als Unglücksvögel verrufen waren, geht möglicherweise darauf zurück, dass sie gerne in Schornsteinen als Bruthöhlen nisteten, dabei den Abzug mit Zweigen, Moos, Laub und Dung verstopften, so zur Anreicherung der Raumluft mit dem geruchlosen Kohlenmonoxid sorgten und die Bewohner töteten.
(s. Bergbau, Braunkohle, Holzkohle, Kohleförderung)