Kupfer

Aus Mittelalter-Lexikon
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Kupfer (mhd.; ahd. kupfar; v. mlat. cuprum, lat. aes cyprium = Erz von [der Insel] Cypern). Kupfer war für die europäische Wirtschaft des MA. von ebensogroßer Bedeutung wie Eisen. Es kommt selten rein vor, meist ist es vergesellschaftet mit Eisen, Nickel, Kobalt, Blei, Zink, Schwefel, Arsenik oder Silber (s. Röstung). Es wurde während des MA. in Deutschland in bedeutenden Mengen gewonnen (s. Bergbau) und zum ®Bronzeguss (Glocken, Kirchtüren, Epitaphien, liturgisches Kultgerät, seit dem 14. Jh. in zunehmendem Maß für Feuerbüchsen aller Kaliber), zu ®Rotguss, Gelbguss (s. Messing), für Haushaltsgegenstände (Töpfe, Kannen, Kessel, Pfannen, Löffel u.s.w.) und zur Dachbedeckung verwendet. Die Kupferdächer großer Kirchen (z.B. St.Simonis et Juda in Goslar oder der Bamberger Dom) erforderten Kupferblech von 600 bis 700 Zentnern. Außerdem war Kupfer ein wesentlicher Ausgangsstoff in der ®Farbenherstellung. Wo der Silbergehalt des Kupfers hoch war, trennte man seit dem 15. Jh. die Metallfraktionen mittels des Seigerverfahrens. Der dabei entstehende Kupferstein wurde durch erneutes Aufschmelzen restlos entsilbert und über Schwarzkupfer (Rohkupfer mit geringem Schwefelgehalt) in Garkupfer (Reinkupfer) überführt (s. Metallurgie). Zentren der Kupferverarbeitung waren Lüttich, Köln, Braunschweig, Nürnberg, Augsburg sowie Venedig und Florenz.
Am Ende des MA. beherrschte das Kupferproduktions und -handelsimperium der Fugger ("Gemeiner Ungarischer Handel") die Märkte, ungarisches Kupfer ging mit portugiesischen Schiffen buchstäblich in alle Welt.
Wie andere Metalle fand auch Kupfer Verwendung in der ma. Heilkunde. Plinius und nach seinem Vorbild Theophilus ließen Wunden, Entzündungen und Geschwüre zur Heilung mit Kupfer abreiben. (Sie handelten dabei rein empirisch, ohne um die reduzierende und antbakterielle Wirkung der Kupferionen wissen zu können.) Hildegard v. Bingen empfiehlt gegen Fieber die tägliche Einnahme eines Tranks aus „reinem Kupfer .... in Frankenwein gekocht“. Auch gegen Gicht rät sie zu einem Trank aus Kupfer in Wein (purum cuprum, bonum vinum). Als Antidot bei Vergiftung nennt sie eine Mixtur aus gutem Wein, Essig, und Rautensaft, in welche glühendheißes Kupfer zu tauchen war. Dieser Glühwein sollte drei Tage lang auf nüchternen Magen eingenommen werden, damit das Gift entweder durch Erbrechen oder über die natürlichen Ausscheidungen abginge.
Der ma. Aberglauben hat aus der Antike die Annahme übernommen, Kupfer halte Unheil fern und löse jeden Zauber. In der Volksmedizin half man sich gegen Entzündungen, roten Hautausschlag und gegen Blutungen nach dem Grundsatz similia similibus curantur, indem man sich Kupferamulette um den Hals hing.
(s. Löten)