Lübeck

Aus Mittelalter-Lexikon
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Lübeck. Wenige km traveaufwärts einer slaw. Burg Liubice (= die Liebliche) gab es schon im 11. Jh. eine Niederlassung dt. Kaufleute, die als Oldenlubeke (Altlübeck) bekannt war. In deren Nähe, auf einer Halbinsel zwischen der Trave und der hier mündenden Wakenitz, gründete Adolf II., Graf von Schauenburg und Holstein, 1142 einen neue Handelsplatz und machte Siedler aus Flandern, Holland, Westfalen und Friesland ansässig. Der Ort Lubecca wurde 1159 – nach Besitzstreitigkeiten und einer verheerenden Feuersbrunst – an Heinrich d. Löwen abgetreten, der es unter Beteiligung westfälischer und niedersächsischer Kaufleute wiederaufbaute und vergrößerte, sowie mit weitgehenden Privilegien ausstattete (Markt-, Münz-, Zollrecht, Ratsverfassung, Anerkennung als Hafenstadt, Abgabenbefreiung lübischer Kaufleute im gesamten Herzogtum Sachsen). 1163 wurde der Oldenburger Bischofssitz nach Lübeck verlegt; 1188 wurden im "Barbarossa-Privileg" weitere Sonderrechte garantiert; 1226 erhob Kaiser Friedrich II. Lübeck zur Freien Reichsstadt (civitas imperii)und bestätigte die Führungsrolle des Stadtpatriziats. 1227 gewann Lübeck durch den Sieg über Dänemark in der Schlacht von Bornhöved die Vorherrschaft im norddt.-slaw. Raum und im Ostseegebiet, das 1201 von Dänemark eroberte Holstein kam wieder unter deutsche Herrschaft. (Anlass für die Schlacht war der Umstand, dass der Dänenkönig Waldemar II. die 1223 zugesagte Entlassung des Herzogtums Pommern aus dänischer Lehnshoheit zurücknehmen wollte. Daraufhin zogen Truppen der norddeutschen Fürsten und der Städte Hamburg und Lübeck gegen ihn zu Felde.)
Von Lübeck aus wurden viele Ostseestädte gegründet und nach Lübischem Recht (ius Lubicense) verfasst. Ende des 13. Jh. ging aus dem Beziehungsgeflecht Lübecks mit seinen Töchterstädten und anderen Handelsorten die ®Hanse hervor, deren Hauptsitz Lübeck als Handelsknotenpunkt und wichtigster Ostseehafen innehatte. Von größter Bedeutung als Handelsgüter waren hansische Biere und Lüneburger Siedesalz, das als „Travensalz“ in die Ostseeländer verschifft wurde. Zur Verbesserung des Salztransportes bauten die Lübecker zwischen 1391 und 1398 den Stecknitzkanal (s. Kanalbau). Das 14./15. Jh. sah Lübeck auf dem Höhepunkt seines Reichtums und seiner polit. Macht. Vom Ende des 15. Jh. an teilte es, unlösbar mit der Hanse und ihrem Schicksal verbunden, deren Niedergang.
Die Altstadt Lübecks ist beherrscht von Bauten der dt. Backsteingotik. Dazu zählen vor anderen: der 1173 unter Heinrich d. Löwen als roman. Basilika begonnene und im 13./14. Jh. zur got. Hallenkirche umgebaute Dom; die Marienkirche (um 1260 - 1351; mit ihren 125 m hohen Türmen, einer Länge von ca. 100 m und einer Mittelschiffshöhe von 38 m nächst der Danziger Marienkirche die größte und höchste Kirche im Ostseeraum, Vorbild für etwa 80 Tochterkirchen in nordeuropäischen Raum); die fünfschiffige Hallenkirche St. Petri (13. Jh. – 1530); die turmlose Bettelordenskirche St. Katharinen (1300 – 1330); die Ägidienkirche (13. Jh.) und die Jakobikirche (14. Jh.); das Burgtor (1444) und das Holstentor (1466 - 78); das Heiligen-Geist-Hospital mit seiner dreischiffigen, nach Westen ausgerichteten Hallenkirche zu zwei Jochen; (13. Jh); das Rathaus (Baubeginn um 1240).