Laus

Aus Mittelalter-Lexikon
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Laus (ahd., mhd. lus; lat. pediculus; hier: Menschenläuse). Die Familie der Menschen- bzw. Primatenläuse (Pediculinae: Kopf-, Filz-, Kleiderlaus) gehören zu der Ordnung Tierläuse und stellen eine an den Menschen angepasste blutsaugende Insektenart dar. Kopf- und Filzlaus legen ihre Eier (Nissen) in die Behaarung ihres Aufenthaltsortes, die Kleiderlaus in die Bekleidung. Der Stich der Schmarotzer löst eine juckende örtliche Schwellung aus, außerdem können durch ihn Krankheitskeime übertragen werden. Zu den durch Läuse übertragbaren Krankheiten zählen u.a. Fleckyphus, Cholera, Pocken, Rückfallfieber, Diphterie, Keuchhusten.
Läuse waren im MA. wie andere Lästlinge (Flöhe, Wanzen, Milben, Mücken) selbstverständliche Begleiter der Menschen aller Klassen. Das gegenseitige Ablesen, Auskämmen oder Abkehren mit einem kleinen Besen (mhd. lusen) hat neben der hygienischen auch eine soziale, bindungsverstärkende Wirkung.
Aristoteles lehrte bezüglich der Herkunft der Läuse, dass sie aus Schweiß und Schmutz entstünden.
Dem folgend sagte Hildegard v. Bingen, dass Läuse aus dem von menschlichem Fett ausgeschiedenem Schweiss stammten und umso zahlreicher entstünden, je gröber, plumper, gefräßiger und dümmer ein Mensch sei. Sollten die Läuse aber nicht mit dem Schweiß herauskommen, so würden sie den Leib innerlich schädigen; für diesen Fall empfiehlt sie einen Trank aus Aalgalle, Essig, Honig, Basilienkraut, Geschabsel von Elfenbein und anderen Zutaten. (Ein Zusammenhang zwischen Läusen und Nissen wurde offenbar nicht erkannt.)
Dem Volksglauben nach kamen Läuse im Paradies noch nicht vor, sie sind erst aus dem Schweiß der wegen des Sündenfalls zu Arbeit verdammten Ureltern entstanden.
Im ma. Aberglauben findet sich einerseits die Überzeugung, dass Läuse angehext seien, andererseits galten Läuse als Zeichen von Gesundheit.
Die Volksmedizin kannte Mittel mit toten wie lebenden Läusen gegen viele Krankheiten, z.B. gegen Gelbsucht, Fieber, Zahnschmerzen oder Schwindsucht.
Als Mittel gegen Läuse Waschungen mit Essig oder Lorbeeröl und Einreibungen mit altem Schweineschmalz oder mit dem Saft von Reinfarm oder Frauenminze angewandt. Thymian und Lavendel nutzte man wegen ihres stark aromatischen Geruchs zur Abwehr nicht nur von Dämonen, sondern auch von Läusen, Flöhen und anderem Ungeziefer.
(s. Hygiene, Parasitenbefall, Ungeziefer)