Lesestein

Aus Mittelalter-Lexikon
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Lesestein (Lupe, Vergrößerungsglas; mhd. berel, beril; mlat. lapis ad legendum). Darunter ist eine dicke, plan-konvexe Linse zu verstehen, die mit der planen (unteren) Seite auf das zu vergrößernde Objekt aufgelegt wird. Derartige Linsen wurden aus durchsichtigen kristallinen Mineralen Quarz (Bergkristall) und Beryll geschliffen. Schon in ägyptischen Hieroglyphen des 6. Jh. v.u.Z. sind vergrößernde Sehhilfen in Form einfacher Meniskuslinsen (unsymmetrische Bikonvex- oder Plankonvex-Linsen) erwähnt. Archimedes (gest. 212 v.u.Z.) soll die Brechungsgesetze von Linsen untersucht und einen Kristall als Lesehilfe benutzt haben. Im Ma. war einer der ersten, die über das Phänomen der Lichtbrechung nachdachten und sich eines Lesesteins bedienten, der arab. Gelehrte ®Ibn al-Haitham (Alhazen; 10./11. Jh.). Angeregt durch eine Übersetzung von dessen Schrift zur Optik („Kitab-al-Manazir“/„Buch der Optik“) hat dann im 13. Jh. ®Roger Bacon mit Vergrößerungsgläsern experimentiert und sie als Lesehilfe benutzt. Derartige L. wurden vor Allem von Mönchen und Nonnen bei Alterssichtigkeit (Presbyopie) zur Verlängerung ihrer Lesefähigkeit benutzt.
In der mhd. Literatur wird der L. erstmals bei Albrecht von Scharfenberg (13. Jh.) erwähnt: „Wie der Beril vergrößert die Schrift … (sie) wächst hoch, breit und auch in die Länge“. Konrad von Würzburg (13. Jh.) schreibt: „Er (der Kristall) hat in sich große und gewaltige Art, … sofern ihn jemand schliffe und auf die Schrift legen wollte, der sähe durch ihn die kleinen Buchstaben größer scheinen.“
(s. Brille, Optik)