Litauer

Aus Mittelalter-Lexikon
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Litauer. Angehörige der balt. Sprachfamilie des Indogermanischen, die Volksgruppen der Schemaiten und Aukschtaiten umfassend. Diese waren von Ostslawen aus ihrem ursprünglichen Siedlungsraum am Mittellauf der Memel und der Wilija nach N und NW abgedrängt worden und organisierten sich Anfang des 11. Jh. als Stammesfürstentum. Zum Gründer des lit. Staates wurde Mindowe (Mindaugas), der sich 1251 zum röm. Christentum bekehrte, von Papst Innozenz zum König gemacht wurde und sein Reich nach Weißrußland hinein erweiterte. Nach der Ermordung König Mindaugas (1263) erfuhr die Christianisierung der Litauer einen empfindlichen Rückschlag. Dadurch und durch die permanente Bedrohung durch den Deutschen Orden fand Litauen keinen Anschluss an das westl. Abendland. Noch im 14. Jh. war das Land heidnisch und hatte sich seine ethno-kulturelle Eigenart bewahrt. Die größte Ausdehnung erreichte das Reich der Litauer um 1400 unter dem Gedyminidenfürsten Jagiello (Jogaila; 1377-1434) und dessen Vetter Witold (Vitautas; 1350 - 1430). Es reichte von den Deutschordensländern im Nordwesten und Norden bis zum Schwarzen Meer im Süden und von der poln. Ostgrenze bis zum Khanat der Goldenen Horde im SO und zur westl. Grenze der russischen Fürstentümer. Um gegen den Expansionsdrang der Ordensländer (s. Preußenreise) bestehen zu können, suchte Jagiello die Hilfe Polens. Er heiratete 1386 Hedwig, die Erbin Polens, und wurde als Wladyslaw II. König der Polen. Das multinationale, multikonfessionelle Großfürstentum Litauen blieb konstitutionell und verwaltungstechnisch selbständig, es wurde von Witold unter der Oberhoheit Jagiellos beherrscht. Der Zusammenschluss mit Polen brachte auch die Annahme des lat. Christentums durch die heidnischen Litauer. Der Sieg von Tannenberg (1410) sicherte Litauen und Polen endgültig gegen Gebietsansprüche des Dt. Ordens ab. Unter dem Jagiellonen Kasimir IV. (1427-92) kam eine große Staatenunion zustande, der von 1471 bis 1526 Litauen, Polen, Ungarn und Böhmen angehörten.