Ludger

Aus Mittelalter-Lexikon
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Ludger (Ludgerus, Liutger; um 742 - 809; hl.). Aus zum Christentum bekehrtem friesischen Adelsgeschlecht gebürtig, an der Domschule von Utrecht unter Gregor, einem Freund des Bonifatius, und in York unter Alkuin, dem Ratgeber Karls d. Gr. ausgebildet, missionierte als Mönch in Friesland, wo er zahlreiche heidnische Kultstätten zerstörte. 777 empfing er die Priesterweihe und gründette Kirchen in seinem Missionsgebiet, so u.a. die Kirche in Dokkum, wo Bonifatius ermordet worden war. Als 784 die Gegend von Sachsen überrannt wurde, floh Ludger und reiste nach Rom und Montecassino, von wo er nach zwei Jahren durch Karl d. Gr. als Sachsenmissionar berufen wurde. Er baute zerstörte Kirchen wieder auf und gründete um 792 über einer alten sächs. Siedlung ein Benediktinerkloster, Keimzelle des neuen Bistums ®Münster, zu dessen erstem Bischof er selbst 804 ernannt wurde. 799 gründete er das Kloster Werden (s. Essen) als Eigenkloster auf Familien-Erbland an der unteren Ruhr, das zunächst von ihm selbst, dann von seinem Bruder Hildegrim und in der Folgezeit von weiteren Familienangehörigen, den sog. Liudgeriden, geleitet wurde. Für sein Kloster hat Ludger wertvolle Handschriften gestiftet, die er von seinen Pilgerreisen nach Rom, Monte Cassino oder York mitgebracht hatte. Aus dem Werdener Skriptorium entwickelte sich eine der bedeutendsten Schreibschulen Europas.
Liudger schuf eine vorbildliche Pfarreien- und Bistumsorganisation und schrieb eine Vita seines Lehrers Gregor von Utrecht („Liutgeri vita Gregorii abbatis Traiectensis“). Neben Bonifatius (Fulda) und Willibrord (Echternach) zählt Ludger zu den großen Missionaren der Karolingerzeit.
Neben der Kathedrale von Münster gehen die Klöster Helmstedt und Werden auf Bischof Ludger zurück. Ludger starb in Billerbeck im Bistum Münster. Seine Gebeine fanden auf Anordnung Kaiser Karls d. Gr. in der Krypta der Werdener Abteikirche ihre letzte Ruhestätte. Die Abteikirche wurde nach ihrer Umgestaltung zur Ludgerusbasilika 1275 durch Albertus Magnus neu geweiht und ist seither eine vielbesuchte Pilgerstätte.
Die Lebensbeschreibungen des Ludger aus dem 9. Jh. zeugen von der großen Verehrung, die Ludger schon gleich nach seinem Tod entgegengebracht wurde; sie gelten als die ältesten Zeugnisse dieser Art. Die „Vita secunda“, in der Urfassung um 850 entstanden, wurde Ende des 11. Jh. von Werdener Mönchen als Prachthandschrift ausgestaltet.