Mähren

Aus Mittelalter-Lexikon
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Mähren (tschech. Morava). Histor. Landschaft zwischen Polen (Schlesien) im Norden, Böhmen im Westen, der Ostmark (Österreich) im Süden und dem Königreich Ungarn im Osten. Hier siedelten nach dem Abzug der kelt. Boier (im 1. Jh. v. Chr.) german. Stämme (Marahani), die im 6. Jh. n. Chr. von Slawen abgelöst wurden. Diese bildeten keinen Staat, sondern nur kleinere und größere Stammesgemeinschaften und waren den Awaren, später den Franken tributpflichtig. Im 9. Jh. lehnte sich Moimir, der Herzog der slaw. Mähren, gegen die Oberherrschaft Ludwigs d. Deutschen auf, wurde daraufhin von Ludwig abgesetzt und durch seinen Neffen Rostislaw ersetzt, ohne dass dadurch das Land fester ans Reich gebunden wurde. Auch Rostislaw opponierte gegen das Reich und unterstützte die Missionstätigkeit von Konstantin (Kyrill) und Methodius, um der dt. Kolonisation entgegenzuwirken (s. Slawenmission). Die größte Führerpersönlichkeit Mährens wurde Swatopluk (Zwentibold) I., der Nachfolger Herzog Rostislaws, der Ludwig d. Deutschen besiegte (871) und unter Einbeziehung ungarischer, böhmischer, slowakischer und polnischer Territorien ein großmährisches Reich schuf, das am Ende des 9. Jh. zu den stärksten Mächten Europas zählte. Nach dem Tode Swatopluks (894) zerfiel das großmährische Reich und wurde durch einen Ungarneinfall (906) auch in seinem Kernland Mähren ausgelöscht. Um 1020 wurde Mähren mit ®Böhmen vereinigt, von dem es auch weiter abhängig blieb, nachdem es 1182 zur Markgrafschaft des Dt. Reiches ernannt worden war. Regierungssitz war ®Olmütz. Im 14./15. Jh. wurde Mähren von einer Nebenlinie des Hauses Luxemburg regiert, im 16. Jh. kam es an die Habsburger.