Slawenmission

Aus Mittelalter-Lexikon
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Slawenmission. Im 8. Jh. begann der Prozess der Christianisierung der Slawen, der im 11./12. Jh. abgeschlossen wurde. Karl d. Gr. hatte zwischen 793 und 810 zur Sicherung der Ostgrenze seines Reiches im Wendenland zwischen Main und Regnitz die heidnischen Slawenstämme missionieren lassen; zu diesem Zweck ließ er durch den Würzburger Bischof Berowulf und dessen Nachfolger Liutrit und Egilwart 14 sog. Slawenkirchen errichten. Als solche sind die Kirchen von Seußling und Amlingstadt sicher belegt. -Polen bekannte sich 966 zur lat. Kirche. In Böhmen und Mähren missionierten bayerische und byzantinisch-slawische Mönche. Unter den letzteren waren die Brüder Konstantin (der auf dem Sterbelager den Mönchsnamen Kyrill annahm;um 826-869) und Method (um 827-885), die liturgische und pastorale Texte aus dem Griechischen in die Volkssprache der Bulgaren übersetzten, welche den meisten slaw. Völkern verständlich war. Zur Verschriftlichung dieser – später Kirchenslawisch oder Altslawisch genannten – Sprache schuf Konstantin der Philosoph (der sich später als Mönch Kyrill nannte), das aus 40 teils griechischen und kaukasischen, teils semitischen Buchstaben bestehende glagolithische Alphabet (Glagoliza); die Verwendung des griechischen Alphabets kam ihm nicht in den Sinn, zu groß war für sein Verständnis die Exklusivität griechischer Sprache und Schrift. Spätestens im 11. Jh. wurde die Glagoliza von der Kyrillica abgelöst und blieb nur bei Serben und Kroaten noch länger in Gebrauch.
Die byzantinisch-slawische Liturgie konnte sich in Böhmen nicht durchsetzen, das 973 gegründete Bistum Prag wurde 976 dem Mainzer Metropolitanverband unterstellt. Auch Mähren nahm nach dem Tode Methods die röm. Liturgie an. Sitz des mährischen Erzbischofs war Olmütz.Die Missionierung der Slowenen wurde in der zweiten Hälfte des 8. Jh. von Passau und Salzburg aus betrieben. Die Kroaten hatten schon im 7. Jh. das lateinische Christentum angenommen, während Serben und Bulgaren der byzantinischen Richtung folgten. Die Christianisierung Rußlands begann mit der Bekehrung der Großfürstin Olga (943) und wurde unter Wladimir d. Hl. Ende des 10. Jh. – ebenfalls nach byzant. Lehre – vollendet. In der Ländern südlich der Ostsee missionierte im 12. Jh. Bischof Otto von Bamberg („Apostel der Pomoranen“).
Am Ende der fma. Slawenmission standen sich ein byzantinischer und ein römischer Einflussbereich gegenüber. Zum ersteren gehörten Russen, Bulgaren, Serben und Makedonen, zum zweiten Tschechen, Mähren, Polen, Kroaten und Slowenen.
Die "Bekehrung" vorgeblich "heidnischer" Slawen durch den Deutschritterorden im 13./14. Jh. betraf eine großenteils christianisierte Bevölkerung, deren Länder von den Ordensrittern erobert und planmäßig besiedelt werden sollten.
(s. Kyrillica, Mainslawen)