Münztechnik

Aus Mittelalter-Lexikon
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Münztechnik. Unter einem Münzmeister, der im Dienste eines Münzherrn stand, erschmolzen die Münzhandwerker in der Münzstätte zunächst aus den Münzmetallen eine Legierung gemäß dem vorgeschriebenen Feingehalt, aus welcher der Zain (mhd., = Stab) gegossen wurde. Vom Zain wurde nach Ausschlichten (Ausrecken, Strecken) und Glühen (zum Beseitigen der Sprödigkeit) mit der Stückelschere das Münzmetall stückweise abgetrennt (geschroten). Nach einer anderen Technik wurde der Zain zu einer Platte von Münzstärke ausgeschmiedet, aus welcher die Schrötlinge mit einem Hohleisen ausgestanzt wurden. Die Schrötlinge kamen zwischen je einen aus Eisen geschnittenen Ober- und Unterstempel (Eisen und Stock genannt), und wurden mit wuchtigem Hammerschlag (der Prägehammer wog ca. 5 kg) von Hand zur Münze geprägt, "geschlagen". Dabei entstand eine Doppelprägung auf Münzvorderseite (Avers) und -rückseite (Revers). – In einigen Münzstätten Süddeutschlands und der Schweiz schnitt man seit dem 11. Jh. statt der runden viereckige Schrötlinge aus dem Silberblech, um den Anfall des umzuschmelzenden Silberabfalls zu begrenzen. Die viereckigen Plättchen wurden an den Seiten breitgeklopft, um eine annähernd runde Form zu erhalten. Wegen der dabei entstehenden uneinheitlichen Stärke des Schrötlings war das Münzbild gestört. Trotz dieses Nachteils hat sich die geschilderte Technik mancherorts bis ins 16. Jh. erhalten. Derartige Münzen bezeichnet man als Vierschlag (quadratum supercusum).
Der wachsende Bedarf an geprägtem Geld brachte es mit sich, dass das Stückeln der Zainplatte zunehmend als zu zeitraubend empfunden wurde. Um diesem Nachteil abzuhelfen, walzte man die Zainplatte dünner aus, wodurch auch die Schrötlinge dünner wurden und sich die Prägungen auf beiden Seiten überlagerten und bis zur Unkenntlichkeit gegenseitig störten. Diese Halbbrakteaten waren um 1100 besonders in Bayern, am Bodensee, am Oberrhein und in der Harzregion verbreitet und wurden als derart unschön empfunden, dass man bald auf einen der Stempel verzichtete und zur Herstellung von ®Brakteaten überging, die nur einseitig geprägt waren, sodass sich das Stempelbild auf der einen Seite erhaben, auf der anderen vertieft darstellte.
(Zu Beginn des 16. Jh. wurde das wasserradgetriebene Hammerwerk in der Münzfertigung verwandt, um 1550 wurde die Spindelpresse eingeführt, mit der die Münzen auch gerändelt werden konnten.) Die Herstellung der Münzprägestempel war ursprünglich Aufgabe der Goldschmiede, später von Stempelgräbern (mhd. isengraber). Vom Gesamtfertigungsaufwand entfielen auf die Herstellung der Zaine ca. 40 %, auf die Stempelherstellung 45 % und auf das Prägen 15 %.
Aus dem Bereich der Münztechnik stammen viele Sprichwörter und Redewendungen wie: "einen Begriff oder Ausdruck prägen", "von etwas geprägt sein", "von echtem Schrot und Korn sein", "etwas herausschlagen", "auf etwas gemünzt sein", "einer Sache seinen Stempel aufdrücken" oder ihr "ein Gepräge geben" u.a.m.
(s. Brakteaten, Münzer, Schrot und Korn)