Maiglöckchen

Aus Mittelalter-Lexikon
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Maiglöckchen (mhd. meienbluome, meygilana; lat. lilium convalium = Lilie des Tales; botan. Convallaria majalis = die im Mai blühende Lilie der Täler; volkstüml. Marien-, Frauentränen, Augen-, Nieskraut). Die in West- und Mitteleuropa verbreitete Pflanze entspringt einem tief wurzelnden Wurzelstock (Rhizom), aus dem zwei oder drei breit-lanzettförmige Blätter und der traubige Blütentrieb mit den weißen, glockenförmigen, intensiv süßlich duftenden Blüten entspringen. Die Blütezeit fällt in die Monate April bis Juni, die Reife der roten Beeren in die Monate Juli/August. Alle Pflanzenteile (Blätter, Blüten Früchte) enthalten ca. 30 verschiedene stark wirksame Glykoside, deren wichtigstes das Convallatoxin ist; diese verursachen bei äußerlichem Kontakt Hautreizungen, bei innerlicher Anwendung Symptome von Übelkeit bis zu Herzrhythmusstörungen, und führen bei Einnahme größeren Mengen zum Tod durch Herzstillstand.
Hildegard v. Bingen stuft die Pflanze als kühlend und feucht ein, und hält sie für ein Heilmittel bei Epilepsie und geschwürigen Hautleiden.
®Gabriel von Liebenstein (14. Jh.) war der erste studierte Arzt, der die pharmazeutische Wirkung von Maiglöckchen-Wässern (-Destillaten) beschrieben hat.
In der Volksmedizin galt M. als innerliches Mittel gegen Schlagfluss (Apoplexie), Wassersucht, Wurmbefall und Wehenschwäche und – auf die Haut eingerieben – gegen das Angehen Sommersprossen. Getrocknete und pulverisierte M.-Blüten wurden als hirnreinigendes Niesmittel gebraucht.
Der christl. Volksglaube hielt M. für eine Marienpflanze, waren sie doch auf dem Boden unter dem Kreuz Christi entstanden, auf welchen die Gottesmutter ihre Tränen vergossen hatte. - Blühende M. galten als Symbol von Liebe und Glück, und waren als Brautschmuck begehrt. (Das Grün der Blätter stand für Hoffnung und das Weiß der Blüten für Jungfräulichkeit, Reinheit und Demut.)
Altem Aberglauben nach sollte Einer, der am 1. Mai M. bei sich trug, das ganze Jahr über Glück haben.