Malfarben

Aus Mittelalter-Lexikon
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Malfarben. Verschiedene ma. Schriften (z.B. "De arte illuminandi" [14. Jh.], "Schedula diversarum artium" [11./12. Jh.], "Mappae clavicula" [9./10. Jh.], "De coloribus et artibus Romanorum" [um 800]) geben Auskunft über die ma. Technik der Farbenherstellung aus mineralischen und organischen Ausgangsstoffen. Sie gehen auf griechische, byzantinische und arabische Quellen zurück, und wurden vor allem von den Künstlern in den Skriptorien der Klöster tradiert, zu deren Aufgaben die Illuminierung von Handschriften mittels dichter oder gelöster Wasserfarben (wasserlöslicher Farben mit leimartigen Bindemitteln, mit oder ohne deckende Pigmente) gehörte. Die im MA. zur Farbherstellung verwendeten Rohstoffe waren der Herkunft nach:
1.) mineralische: Alaun, Bolus, Bleiweiß, Eisenoxyd, Gold, Grünerde, Ockererde, Grünspan, Kobalt, Kupfer, Kupfervitriol, Mennige, Quecksilbersulfid, Roteisenstein, Ruß, Schwefelarsenik, Silber, Soda, Zinnober.
2.) pflanzliche: Brasilholz (wurde aus Ceylon eingeführt; Brasilien erhielt seinen Namen, weil dieses Holz dort gefunden wurde), Essig, Safran, Färberröte und Färberwau, verschiedene Flechten, Galläpfel, Heidelbeeren, Kornblumen- und Mohnblüten, Krebskraut, Kreuzdorn, Drachenblut und verschiedene Nachtschattengewächse.
3.) tierische: Purpur (aus der Purpurschnecke, eignet sich besser zum Färben als zum Malen), Karmin (aus dem Weibchen der Kermesschildlaus; mit Alaun tief purpurfarben, mit Zitronensaft orangefarben), Eiweiß, Fischleim, Galle (von Ochsen, vom Kalb oder von der Schildkröte), Milch, Urin.
Die Zubereitung der Farben erforderte Kenntnis und Übung, ergaben die Ausgangsstoffe doch erst in bestimmter, genau abgewogener Mischung den gewünschten Farbton. Beispielsweise musste für einen bestimmten Zinnober-Farbton eine exakt vorgegebene Menge von Zinnober, Grünspan und Bleiweiß verrieben werden. Grünerde, Zinnober und ausgefaulter Urin ergaben ein warmes Erdbraun. Ein stumpfes Eisblau ergab sich aus einer Mischung von Quianus (einem blauen Farbstoff), Bleiweiß, Kupfervitriol und Soda.
Als Bindemittel (Mittel die den Farben Haftfähigkeit verliehen) dienten Fischleim (ichthyocollon; aus der getrockneten Schwimmblase des Störs) und andere ®Leime (Abkochungen aus Knorpeln, Knochen und Häuten), Eiklar (lat. clarea), Leinöl (s. Flachs) sowie ®Gummi (aus Akazienharz {"Gummi arabicum"} oder Kirsch-, Mandel- oder Pflaumenbaumharz). Sie wurden den verriebenen und mit Wasser aufgeschwemmten Farbstoffen erst vor dem Auftrag beigemengt. Kombinationen aus aus Farbstoffen und einer Emulsion aus wässrigen und nichtwässrigen Bindemitteln (z.B. aus Eiklar und einer Harzlösung) nennt man Temperafarben (v. lat. temperare = mischen). Farben, deren Bindemittel ausschließlich trocknende pflanzliche Öle wie Lein-, Mohn- oder Walnussöl sind (Ölfarben), kamen erst im 15./16. Jh. auf, eroberten dann jedoch schnell die Tafel- und Leinwandmalerei.