Mensuralnotation

Aus Mittelalter-Lexikon
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Mensuralnotation, Mensuralnotenschrift. Im 13. Jh. genügte die ®Quadratnotation nicht mehr der mehrstimmigen, rhytmisch bewegten Musik der ®Motette, und so versuchte man, die Notation durch Kennzeichnung der Tonlänge der neuen Musik anzupassen. Als Erfinder der Mensuralnotation gilt Franco von Köln, der ihr die Monographie „Ars cantus mensurabilis“ (um 1280) widmete. Um 1250 hatten sich folgende Notenwerte herausgebildet: Maxima (Duplex longa), Longa, Brevis, Semibrevis und Minima. Das Verhältnis der Notenwerte untereinander war nicht konstant: einem bestimmten Notenwert konnten drei (Mensura perfecta; „perfekt“, weil sie die vollkommene Dreiheit symbolisierte) oder, vom Ende des 13. Jh. an, zwei (Mensura imperfecta) Noten des nächstkleineren Wertes entsprechen. Das Verhältnis Brevis-Semibrevis hieß Tempus (dreizeitiges tempus perfectum oder zweizeitiges tempus imperfectum); das Verhältnis Semibrevis-Minima wurde Prolatio genannt (dreizeitige Prolatio maior oder zweizeitige Prolatio minor). Die Mensur (Taktart) konnte auch innerhalb eines Stückes wechseln.