Merseburg

Aus Mittelalter-Lexikon
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Merseburg. Etwa 20 km südl. Halle ebenfalls an der Saale gelegene Stadt. Die im 8. Jh. angelegte Grenzbefestigung und Missionszentrale Mersiburc auf einem Felskliff über dem Fluss, erstmals erwähnt im Hersfelder Zehntverzeichnis 830/50, wurde unter Heinrich I. um 930 zu einer Pfalz und unter Otto I. darüberhinaus zum Bischofssitz (968) ausgebaut. Das Bistum wurde 981 unter Otto II. aufgehoben (s. Giselher), was den Zeitgenossen als sündhaft erschien, und unter Heinrich II. 1004 neu eingerichtet. Zwischen 933 und 1212 fanden in Merseburg mehr als 20 Reichstage statt. Der letzte bezeugte Aufenthalt eines deutschen Herrschers in Merseburg datiert von 1252.
Der Dom St. Johannes Baptista und St. Laurentius auf dem Pfalzhügel wurde 1015 als roman. Basilika gegründet (Weihe 1021 im Beisein Kaiser Heinrichs II.). Von diesem Bau sind die Untergeschosse der Westtürme, die runden Chorbegleittürme und die Hallenkrypta (drei Schiffe zu vier Jochen) unter dem Chor erhalten. Chor und Querhaus wurden im 13. Jh. erbaut, die spätgot. dreischiffige Halle entstand erst 1504 - 17. Von den Kunstwerken des Doms sind zu nennen: die hohen steinernen Chorschranken (1235 - 40), die bronzene Grabplatte Rudolfs von Schwaben, die als ältestes Bildnisgrabmal des dt. MA. gilt (1080) und ein monumentales Holzkruzifix (um 1240) im Triumphbogen der Vierung. In der Bibliothek des Domkapitels wurden die ®"Merseburger Zaubersprüche" aufgezeichnet. Südl. an den Dom grenzend Kreuzgang und Reste der Klausurgebäude.
Der bedeutendste der Merseburger Bischöfe war Thietmar von Walbeck (s. Dietmar (Thietmar) von Merseburg). Er verfasste eine Chronik der sächsischen Könige und legte 1015 den Grundstein zu einem Neubau des Merseburger Doms.
Unterhalb des Pfalz- und Domhügels entstand eine Siedlung, der 1004 Markt-, Münz- und Zollprivilegien verliehen wurden. Von 1289 stammt die erste Erwähnung einer bürgerlichen Selbstverwaltung. Im 13. Jh. entstand der Mauerring. 1426 ist die Stadt der Hanse beigetreten. Die ma. Altstadt wurde im 2. Weltkrieg weitgehend zerstört, und konnte seither nur teilweise restauriert werden. Sehenswerte ma. Bauten: der Eulenturm (Befestigungsturm von 1218/19); Krummes Tor (äußeres Tor der Burgbefestigung, 1430); Stadtkirche St. Maximi (gegr. Ende 10. Jh., spätgot Halle von 1432 – 1501. Turm neugotisch); Altes Rathaus (1478 über älterem Vorgängerbau errichtet).