Neidhartspiele

Aus Mittelalter-Lexikon
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Neidhartspiele. Um die Figur des Ritters ®Neidhart rankte sich der sma. alpenländische Schwank des "Neidhartspiels". Die Fassung aus dem Kärntner Kloster St. Paul von 1360/70 gilt als das älteste weltl. dt. Spiel. Das kurze Stück (66 Zeilen) ist für nur drei Sprechrollen geschrieben und hat lediglich den Veilchenschwank zum Inhalt. Das "Große (Tiroler) Neidhartspiel" (1492/93; 2.624 Zeilen, 70 Sprechrollen) vereint mehrere Schwänke und ist derber und realistischer angelegt. Die erste Szene stellt den Sozialkontrast zwischen groben, unflätigen Bauern und der höfischen Gesellschaft in einer Tanzsituation drastisch vor Augen. In der zweiten Szene wird der Ritter als gefoppter Bauernfeind verspottet, dem ein missgünstiger Bauer das erste Veilchen, das er der Herzogin zeigen wollte, um von ihr zum "Maibuhlen" erwählt zu werden, mit Kot vertauscht (er "thuot ein dreck an des veiol stat"). Die nächste Szene und ein Schlussteil ergötzte das Publikum mit ausgesuchten Grausamkeiten, mit denen Neidhart an den Bauern Rache nimmt. Aus der Mitte des 15. Jh. stammen stadtbürgerliche Versionen des Neidhartspiels, in welchen die Bauern weniger drastisch abqualifiziert werden und in der Figur eines Arztes ein vermittelndes, bürgerliches Element eingeführt ist. Sma. Neidhartschwänke wurden auch als Fasnachtsspiel von umherziehenden Spielrotten in den Wirtshäusern aufgeführt. Verschiedene Versionen des volkstümlichen Schwanks gingen im SMA. in den Druck.