Notker I. v. St. Gallen

Aus Mittelalter-Lexikon
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Notker I. v. St. Gallen (N. Balbulus [= N. der Stammler], N. Poeta; um 840-912). Aus grundherrlichem Adel stammend, wurde als puer oblatus dem Kloster St. Gallen übergeben, wo er später als Lehrer, Dichter und Liturgiker wirkte. Ab 890 war er Bibliothekar und verfasste eigene literarische Werke. Er brachte die ®Sequenz durch syllabische Textierung und Vertonung zu künstlerischer Vollendung, und wies damit der ma. Dichtung neue Wege, unabhängig von den metrischen Formen der Antike. Er verfasste Schriften über liturgische Themen, eine Vita des hl. Gallus, einen Heiligenkalender (Martyrologium) und eine legendenhafte Biographie Karls d. Gr. ("Gesta Caroli Magni Imperatoris"). Sein literar. Ruhm beruht jedoch auf dem "Liber Ymnorum", der Sammlung seiner (bis 884 geschaffenen) Sequenzen, die er zum Teil auch selbst vertont hat. Als Notker etwa 70-jährig starb, rankten sich bereits Legenden um seine Person. Wahrscheinlich zu Unrecht wird ihm der berühmte Eingang eines lat. Antiphons zugeschrieben: "media vita in morte sumus" ("mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen"), in welchem die Idee des ® memento mori vorgegeben ist.