Obstbau

Aus Mittelalter-Lexikon
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Obstbau (mhd. obez, ahd. obaz = Zukost). Im FMA. war Obstkultur nur im Bereich des ehemaligen röm. Reiches bekannt. Nur langsam drangen Verdelungstechniken (Pfropfen, Okulieren) nach Norden vor. Auch hierbei leisteten die Klöster Pionierarbeit. Sie deckten nicht nur ihren Eigenbedarf, sondern gaben ihr Wissen an die bäuerliche Bevölkerung weiter. Wenn Brüder auszogen, um eine neue Klosterkolonie zu gründen, nahmen sie Samen und Pflänzlinge aller Obstarten für den neu anzulegenden Garten mit. Erst etwa von 1000 an gab es auch in Norddeutschland eine hochstehende Obstkultur. (Neben dem Obstbau blieb des Sammeln von ®Wildobst von großer Bedeutung.) Kultiviert wurden Kernobst (Äpfel, Birnen, Quitten, Mispel), Steinobst (Kirschen, Pflaumen, Schlehen, Zwetschken, Pfirsiche), Beerenobst (Wein, Johannisbeeren, Brombeeren, Himbeeren, Erdbeeren) sowie Trockenfrüchte (Haselnuss, Walnuss und Edelkastanie). Zur Veredelung weniger ertragreicher Sorten kannte der Pelzer (mhd. belzer, lat. insitor, magister pomi) verschiedene Techniken des Pelzens (mhd. belzen, Pelzen; v. mlat. impeltare = einpfropfen; v. lat. pelta = kleiner Schild [Bezeichnung für das Auge des Edelreises]) wie Pfropfen, Okulieren, Kopulieren oder Sattelschäften, wobei während der Vegetationsperiode frische Edelreiser in Schnittverletzungen der zu veredelnden Mutterpflanze eingesetzt und mit Verbandmaterial gesichert wurden. Standorte von Obstbäumen waren Kloster-, Fronhofs-, Bauern- und Bürgergärten, Friedhöfe und spezielle ®Obstgärten.
Obst wurde nicht nur frisch verzehrt, sondern blieb durch verschiedene Konservierungsarten – vor allem durch Trocknen – auch außerhalb der Entezeit verfügbar. Rosinen, Dörrzwetschken und Hutzelbirnen dienten zudem als Süßungsmittel und konnten den teuren Honig ersetzen. Der Verzehr von Feigen ist durch Untersuchungen von Proben aus Latrinen (in Konstanz) nachgewiesen. Ob sie in günstigen Lagen nördlich der Alpen angebaut oder als Trockenware aus dem Mittelmeerraum eingeführt wurden, ist ungewiss.
(s. Apfel, Gartenbau, Mispel, Nuss, pelzen, Weinbau)