Oldenburg/Holstein

Aus Mittelalter-Lexikon
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Oldenburg/Holstein. Nachdem während der Völkerwanderungszeit die im heutigen Holstein ansässigen germanischen Stämme abgezogen waren, rückten slaw. Völker von Osten her nach. Ein Teilstamm der ®Obotriten, die Wagrier, errichteten um 700 eine von Ringsee und Wall umgebene Siedlung, die als Starigard (= alte Burg) in Chroniken erwähnt wird. Adalbert von Bremen (11. Jh.) nennt sie als Vorort der Wagrier, bezeichnet sie als Stadt, Festung und Seehafen (letzteres wohl wegen einer Verbindung über eine Seenkette zur Ostsee). Die Siedlung wurde neben ®Haithabu zum größten Handelsplatz der holsteinischen Ostseeküste. In Starigard/Oldenburg hatte Kaiser Otto I. schon 968 ein Bistum für die Slawenmission gegründet; dessen Erfolge wurden jedoch durch wiederholte Aufstände immer wieder zunichte gemacht, bis es nach der endgültigen Unterwerfung der Slawen (1138/39) unter Bischof ®Witzelin, dem „Apostel der Wenden“, zu dauerhafter Christianisierung kommen konnte. Witzelin holte deutsche Kolonisten nach Oldenburg und gründete in der neuerstandenen Siedlung neben Wallburg und Markt eine Kirche, die sein Nachfolger Gerold um 1160 Johannes dem Täufer weihte. Um eben diese Zeit verlegte Gerold, Hofkaplan und enger Vertrauter Heinrichs des Löwen, den Bischofssitz nach Lübeck. Der Landesherr, Graf Adolf IV. von Schauenburg, verlieh dem Marktort 1233 das lübische Stadtrecht; dieses wurde 1392 erneuert und durch den Marktfrieden für den Michaelitag bereichert. Nach dem Aussterben der Schauenburger kam Holstein an den Dänenkönig Christian. Dessen Söhne teilten 1490 das Land, Oldenburg fiel an Friedrich I. und gehörte fortan zum Gottorfer Herzogtum.
Als historisches Wahrzeichen Oldenburgs ist neben den Resten der Wallanlage (mit dem hervorragenden Wallmuseum) die Johanniskirche als erste große Backsteinkirche des Nordens und Vorläuferin des Lübecker Doms zu nennen.