Onager (Wildesel)

Aus Mittelalter-Lexikon
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Onager (Wild-, Waldesel; mhd. waltesel, -eselinne; lat. onager, onagrus; zoolog. Equus asinus ferus, E. a. silvestris). Beheimatet in Vorderasien (Persien, Kaukasien) und bis hin nach Indien, größer als unser Hausesel. Wurde bis zur Durchsetzung der Pferdehaltung (2. Hälfte 3. Jt. v.u.Z.) in Mesopotamien in Form einer Onager/Eselin-Kreuzung als Zugtier gezüchtet. Den Menschen des abendländischen MA. war er wohl nur aus Bestiarien (z.B. dem Physiologus) und bildlichen Darstellungen (wie z.B. der Plastik am Kapellenerker der Burg Trifels) bekannt. „Der Physiologus hat von ihm gesagt: Zur Zeit, da die Eselsstuten werfen, geht der Leithengst, der Vater, reihum und untersucht jedes Fohlen. Und wenn ein männliches geboren wurde, dann beißt er ihm die Hoden ab, damit es keinen Samen bekommt. Und von ihm haben auch die Perser Eunuchen machen gelernt“. (So im Physiologus, nach Plinius.) Die Erzählung spielt – nicht leicht verständlich – auf die freiwillige Enthaltsamkeit um des Himmelsreiches willen an: „Wer es fassen kann, der fasse es“ (Matth. 19,12).
Wohl nach der Kraft und Wildheit des Tieres ging sein Name auf ein ma. Schleudergeschütz über (s. Kriegsmaschinen).
(s. Esel, Lasttiere)