Ortsnamen

Aus Mittelalter-Lexikon
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Ortsnamen (Oikonyme, Toponyme) entstanden aus dem Bestreben, Örtlichkeiten unverwechselbar zu kennzeichnen, etwa um Besitzansprüche, Gerichts-, Lehns-, Markt- oder Zollrechte eindeutig zuordnen zu können.
Die ma. Fluss- und Siedlungsnamen gehen teilweise auf wesentlich ältere keltische, germanische, slawische oder römische Namen zurück. Keltische Namensbestandteile sind -magos (= Feld, Ebene; z.B. in Neumagen, Remagen), -dunum (= Berg, Burg; z.B. in Campodunum/Kempten) oder -durm (= Tor, Tür; z.B. in Solothurn, Winterthur). Ebenfalls aus vorgermanischer Zeit stammen die Ortsnamen Peine, Telgte, Honnef, Lennep. Vorgermanisch sind auch viele Flussnamen, die teilweise von den Römern in latinisierter Form weiterverwendet wurden: Rhenus, Moenus, Danubius. Auf römische Namensgebungen gehen u.a. zurück: Aachen (Aquae Grani), Trier (Augusta Treverorum), Koblenz (Confluentes), Köln (Colonia Agrippinensis), Regensburg (Castra Regina) oder Augsburg (Augusta Vindelicorum). Ortsnamen germanischen Ursprungs enden oft auf -ahi, -aha (= Wasser; Haslach, Eisenach), -lar (= Viehweide; Goslar, Fritzlar, Uslar), -mar (= Sumpf; Geismar, Weimar), -loh (= Wald, Gebüsch; Gütersloh) oder -ing, -ung (Solingen, Salzungen; auch nach Personennamen: Sigmaringen). Auf die Völkerwanderungszeit verweisen Namensendungen wie -heim, -dorf, -hausen, -hofen, -feld, und -weiler. Wo sich bayer. Siedler im Alpenraum mit romanischen Altsassen vermischten, entstanden Ortsnamen mit "Walch-" oder "Wall-" (v. "Welsch"). Auf Kontakte mit slaw. Stämmen (Wenden) weisen Namen hin wie Geiselwind, Windischbuch, Windischengrün, Windischenhaig, Windischenlaibach, Windischeschenbach oder Abtswind. Ursprünglich slaw. Besiedlung lassen Namen erkennen wie Berlin, Chemnitz, Dresden, Görlitz, Graz, Leipzig, Lübeck, Rostock, Schwerin, Stettin. – Nach der Niederwerfung des Sachsenstammes (794) scheinen zahlreiche Sachsen deportiert und in Franken ansässig gemacht worden zu sein, worauf mit "Sachsen" zusammengesetzte Namen schließen lassen (Sachsen b. Ansbach, Sachsenberg b. Lichtenfels, Sachsenbrunn b. Eisfeld, Sachsendorf b. Hollfeld, Sachsgrün b. Hof usf.). – Zur Zeit der karolingischen und ottonischen Binnenkolonisation waren (bzw. blieben) Namen mit folgenden Endungen gebräuchlich: -hausen, -hofen, -weiler, -felden, -dorf, -stadt und -burg. Auf Rodungen im 12./13. Jh. verweisen Namen auf -rode, -rade, -reuth, -brand, -schwand, -mais, -hurst oder -hagen. Rodungsorte jüngeren Datums tragen Namen mit -hain, -grün, -holz, -wald oder -tal. Auf das Anwachsen älterer Orte verweisen Attribute wie Neu-, Alt-, Ober-, Unter-, Nieder-, Groß-, Klein-. Von mlat. Bezeichnungen stammen Ortsnamen wie Münster (monasterium) oder Kassel (castellum). Namensgebungen nach kirchl. Widmungen sind beispielsweise St. Johann, St. Wolfgang, Heiligenblut, Pirmasens (Pirminisensna = Pirmins Klause), Pyrmont (Pirremont; Peters Berg) oder St. Pölten (abbatia ad sanctum Yppolitum). Namen ausländischer Orte wurden ins Mhd. übertragen, z.B. Raben (Ravenna), Berne (Verona), Pülle (Apulien), Wasgenwald (Vogesen), Lamparten (Lombardei) oder Antorf (Antwerpen). Andererseits wurden – wo Slawen auf ursprünglich germanisch besiedeltes Land nachgerückt waren – germanische Namen slawisiert, z.B. wurde aus wilthaahwo (Wildwasser) Vltava (Moldau).
(s. Lokatoren-Namen)