Otfried von Weißenburg

Aus Mittelalter-Lexikon
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Otfried von Weißenburg (Selbstnennung als Otfridus UUizanburgensis monachus; um 820 - um 875). Einer der wenigen ahd. Autoren, deren Namen überliefert sind. Er wurde um 807 dem Kloster Weißenburg (Nordelsaß) als puer oblatus übergeben, hat dort eine gründliche Ausbildung erhalten und wurde vermutlich um 830 zum Priester geweiht. Zwischen 820 und 830 dürfte er in Fulda unter Hrabanus Maurus studiert haben und war nach Abschluss seiner Studien an der Hofkapelle Ludwigs d. Deutschen tätig, bevor er um 847 nach Weißenburg zurückkehrte. Dort förderte er als Leiter der Klosterschule die Ausbildung begabter Schreiber, erweiterte die Klosterbibliothek, nahm eine durchgehende Kommentierung der gesamten Hl. Schrift in Angriff und verfasste in Anlehnung an die ®Evangelienharmonie des Tatian den ahd. "Liber Evangeliorum" („Otfrieds Evangelienbuch“; vollendet zwischen 863 und 871). Das Werk schildert in fünf Büchern das Leben Jesu: 1. von Christi Geburt bis zur Taufe; 2. Berufung der Jünger und Beginn der Lehrzeit; 3. Wunder und Gleichnisse; 4. Passion; 5. Auferstehung und Jüngstes Gericht. Jedes Buch ist durch erklärende Einleitungs- und Schlussabschnitte abgerundet. Otfried wollte mit seinem Gedicht, in welchem er den Endreim in die deutsche Dichtung einführte, den Einfluss germanischer Heldenlieder zurückdrängen und die deutsche Sprache über die lateinische stellen. Sein Beitrag zur Schriftlichkeit des Ahd. bestand nicht zuletzt darin, dass er passende Worte für neue Begriffe einführte. Von den anderen Leben-Jesu-Darstellungen des 9. Jh., "Tatian" und "Heliand", unterscheidet sich Otfrieds Liber dadurch, dass die Ereignisse nicht nur berichtet, sondern auch gedeutet werden. Neben der geistl. Botschaft will die Schrift die göttl. Sendung des fränk. Herrscherhauses dem Volke nahebringen. Das Evangelienbuch ist in drei vollständigen Handschriften überliefert, die in Wien, Heidelberg und München aufbewahrt werden. Textbeispiel aus dem Anfang des Evangelienbuchs:

Cur scriptor hunc librum theodisce dictauerit

Uuas liuto filu in flize, in managemo agaleize,
sie thaz in scrip gicleiptin, thaz sie iro namon breittin.
Sie thes in io gilicho flizzun guallicho,
in buachon man gimeinti thio iro chuanheiti.
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Warum der Autor dieses Buch in der Volkssprache geschrieben hat

Es haben sich schon viele mit großem Eifer/ bemüht aufzuzeichnen,womit sie ihren Namen bekanntmachen könnten.
Sie wandten stets größte Sorgfalt daran,/ dass man ihre Taten in Büchern darstellte.
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