Otto I. der Große

Aus Mittelalter-Lexikon
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Otto I. der Große (912 - 73). Sohn Heinrichs I., wurde von seinem Vater schon 17-jährig als Nachfolger designiert, 929/930 in erster Ehe mit der engl. Königstochter ®Edith vermählt und am 7. 8. 936 in bewusster Anlehnung an das Wahlzeremoniell Karls d. Gr. in Aachen zum König gekrönt. Zur Sicherung der östl. Grenzen richtete Otto 937 die nördl. Grenzmark an der Elbe (unter Hermann Billung, gegen die Wagrier und Obodriten) und die südöstl. Grenzmark (unter Markgraf Gero, gegen die Sorben und Wilzen) ein. Im Inneren setzte er sich gegen seinen abtrünnigen jüngeren Bruder Heinrich und gegen die Stammesherzöge von Bayern, Franken und Lothringen durch. Er konnte die Zentralgewalt festigen, indem er Territorialfürsten verwandtschaftlich an sich band und indem er sich Bischöfe und Äbte durch Übertragung von Reichsämtern verpflichtete (s. ottonisches Reichskirchensystem). Nachdem sich Berengar II. von Friaul eigenmächtig zum König im regnum Italiae hatte ausrufen lassen, unternahm Otto 951 seinen 1. Italienfeldzug, unterwarf Berengar, ließ sich in Pavia als rex Francorum et Langobardorum huldigen, befreite und heiratete in zweiter Ehe ®Adelheid von Burgund, die Witwe Lothars von der Provence. Schon 952 erzwang ein Herzogsaufstand unter der Führung seines Sohnes ®Liudolf und seines Schwiegersohnes Konrad d. Roten (Herzog v. Lothringen) seine Rückkehr. Kaum war der Aufstand niedergeschlagen, musste Otto seine Truppen den Ungarn entgegenwerfen, die in Bayern und Schwaben eingefallen waren und Augsburg belagerten. Sein Sieg auf dem Lechfeld (10.8.955, s. Lechfeldschlacht), erfochten unter dem Zeichen der "Heiligen Lanze" beendete die Ungarngefahr und brachten Otto höchstes Ansehen und eine unangreifbare Position im Reich ein. Am 16. Oktober des gleichen Jahres erfocht Otto einen Sieg über die Elbslawen an der Recknitz in Mecklenburg. Hatte die Lechfeldschlacht die Südgrenze gesichert, so herrschte nunmehr Frieden an der Nordostgrenze. Nachdem Berengar erneut abgefallen war und Rom bedrohte, eilte Otto auf ein Hilfeersuchen von Papst Johannes XII. ein zweites Mal nach Italien, zog am 2. 2. 962 in Rom ein und ließ sich vom Papst zum Kaiser krönen. Damit war 150 Jahre nach Karl d. Gr. das abendländische Kaisertum in Verbindung mit dem dt. Königtum als "Heiliges Röm. Reich" erneuert. Berengar wurde gefangengenommen und ins Exil nach Bamberg gebracht. Papst Johannes, der sich mit den Feinden des Kaisers verbündet hatte, wurde durch ein röm. Konzil entmachtet und durch Leo VIII. ersetzt. Weihnachten 967 ließ Otto während seines 3. Italienzuges seinen gleichnamigen Sohn zum Mitkaiser krönen, am 14. 4. 972 vermählte er ihn in der Peterskirche zu Rom mit der byzantinischen Prinzessin Theophanu, wodurch er den Ausgleich mit der anderen Kaisermacht und deren Anerkennung erreichte. Bald darauf, am 7. 5. 973, starb Otto in der Pfalz zu Memleben, dem Begräbnisort seines Vaters Heinrich I., und wurde im Dom zu Magdeburg beigesetzt. Den Beinamen "der Große" hatten ihm schon die Zeitgenossen zuerkannt. Wie selten ein abendländischer Herrscher war er mit Kunstsinn, Führungsqualität, polit. Gespür und energischem Durchsetzungsvermögen begabt. Vor allem hat er die ma. ®Ostkolonisation initiert, das abendländische Kaisertum erneuert und Künste und Bildung neu belebt.
(s. Heilige Lanze)