Paarformeln

Aus Mittelalter-Lexikon
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Paarformeln (Wortpaar-, Zwillings-, Doppelformeln, Binominale). Mündlicher Tradition entstammende, durch häufigen Gebrauch verfestigte zweigliedrige Sprachformeln des MA., gekennzeichnet durch gleiche Wortarten wie:
Substantive (man unde wif, hus unde hof, busch unde boge, stein unde bein, hout unde har, jar unde tac, liute unde lant, reht unde gewonheit, liebe und leid, fride und reht, zeter und mordio, uf wazzere oder uf lande),
Adjektive (huldich und hörig, reht und billich, franc unde vri, dubig oder roubig, echt und recht, erlos unde rechtelos),
Verben (hoeren unde sehen, singen unde sagen, geben und gelten, beriden unde beleiten) oder auch Sätze (Wir sezzen und gebieten, Ich gebiete Lust und verbiete Unlust).
Den Zusammenhang der Glieder verstärken Rhythmus, Stab- oder Endreim. Paarformeln dienten als praktisches mnemotechnische Hilfsmittel besonders für Rechtssprüche; außerdem finden sie sich vielfach in der mhd. Literatur – in Poesie wie in Prosa –, sowie in ma. Beschwörungs- und Zauberformeln. Nach ihrem Gehalt unterscheidet man Paarformeln, die lediglich eine stilistische Schmuckform darstellen von solchen, die in Rechtstexten eine juristische Funktion haben. Linguistisch gesehen spricht man von tautologischen oder kontrastiven Formeln, je nachdem ob synonyme oder gegensätzliche Begriffspaare verwendet werden.
(s. Bausch)