Paulus Diaconus

Aus Mittelalter-Lexikon
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Paulus Diaconus (um 720 – um 800) entstammte einem langobardischen Adelsgeschlecht, erhielt am Königshof von Pavia eine excellente Ausbildung in klassischer Literatur, christl. Theologie, Recht und Sprachen. Nach der Unterwerfung des Langobardenreiches durch Karl d. Gr. folgte er 774 seinem Gönner König Desiderius ins Exil nach Monte Cassino, wo er die Profess ablegte. Um seinen Bruder aus fränk. Geiselhaft freizubitten, ging Paulus 782 an den Hof Karls d. Gr. Karl entsprach seiner Bitte und konnte ihn dafür gewinnen, als Griechisch- und Grammatiklehrer zu bleiben. Er stieg zu einem der bedeutendsten Mitglieder der Hofakademie auf und schrieb um 784 eine Geschichte der Bischöfe von Metz („Liber de episcopis Mettensibus“, erste Bischofsgeschichte nördl. der Alpen) sowie mehrere didaktische Werke. Außerdem verfasste er eine Geschichte der Vorfahren Karls, ein Lateinlehrbuch sowie eine Mustersammlung von 244 Predigten, die für den Gebrauch durch den fränkischen Klerus bestimmt war. Nach seiner Rückkehr nach Monte Cassino (787) blieb er weiter in engem Kontakt mit dem karolingischen Hof. Vorrangig widmete er sich nun der Geschichtsschreibung. Es entstand sein Hauptwerk, die ®"Historia gentis Langobardorum", welche in sechs Büchern die Geschichte und Sagenwelt seines Volkes in weltgeschichtl. Zusammenhang darstellt. Außerdem stammen aus seiner Feder eine "Historia Romana" (bis zur Mitte des 6. Jh.) und eine Biographie Papst Gregors I. d. Gr.