Preußen

Aus Mittelalter-Lexikon
Wechseln zu: Navigation, Suche

Preußen. An der Ostseeküste zwischen den Unterläufen von Weichsel und Memel siedelte der balt. Stamm der Prußen, der eng mit den Litauern und Letten verwandt war. Die Prußen (im 10. Jh. Brus, danach Pruzzen genannt) konnten ihre bäuerliche Lebensweise, ihre Stammesstrukturen und heidn. Bräuche (darunter Polygamie, Frauenkauf und Raubehe) trotz der Kontakte mit dem südl. angrenzenden Polen und verschiedener Missionierungsversuche bis Anfang des 13. Jh. erhalten. Erst von 1231 an wurden sie vom Deutschritterorden unter dem Landmeister Hermann von Balk nach einem Hilfeersuchen Herzog Konrads von Masowien und aufgrund der Privilegien aus der Goldenen Bulle von Rimini unterworfen und christianisiert (s. Preußenreise). Das Land der Pruzzen, in dem laut Kaiserprivileg der Deutschritterorden die Reichsgewalt ausübte, wurde zudem 1234 von Papst Gregor IX. im Namen Petri zu eigen genommen und dem Orden als Sachwalter des Reiches verliehen. Durch die Aktivitäten der dt. Siedler und der Dt. Hanse erlebte Preußen im 13./14. Jh. beträchtlichen wirtschaftlichen Aufschwung. (Städtegründungen im 13. Jh.: Thorn, Kulm, Elbing, Graudenz, Marienburg, Braunsberg, Königsberg.) Die beherrschende Stellung des Deutschritterordens ging durch die wachsende Macht der Städte und die zunehmende Einflussnahme Polens zurück, und wurde durch die Niederlage in der Schlacht von Tannenberg (1410) gebrochen. Preußen kam 1466 (2. Friede von Thorn) unter polnische Oberhoheit.