Reiseproviant

Aus Mittelalter-Lexikon
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Reiseproviant. Als Fußreisender konnte man sich nicht mit einem größeren Vorrat an Reiseproviant belasten. In der Reisetasche wurden etwas Brot oder Zwieback, Käse, vielleicht auch Dörrobst, Nüsse und ein wenig Salz mitgeführt. Bei nur einer täglichen Mahlzeit war man so auf einige Tage versorgt. Auf Märkten suchte man neuen Proviant zu erwerben. Wasser trug man in einer Kürbisflasche, einem Lederschlauch, einer Tierblase oder in einem Tonkrug bei sich. Berittene oder Reisende mit Packtieren waren entsprechend besser ausgerüstet, ihre Ernährung dürfte unter normalen Umständen wenig von der gewohnten häuslichen Kost abgewichen sein. Je nach der Jahreszeit nutzte man unterwegs Wildobst, Beeren, Wildgemüse, Wurzeln, Pilze, Nüsse und Bucheckern, fing gelegentlich auch Fische mit einem mitgeführten Netz.
Bei der Seeschifffahrt spielte der Süßwasservorrat eine wesentliche Rolle. Auf längeren Fahrten musste öfters Frischwasser übernommen werden, schon weil das Wasser nach kürzerer oder längerer Zeit ungenießbar wurde. Haltbarer war Wein, weswegen davon stets eine bestimmte Menge mitgenommen wurde. An Essensvorräten wurden Trockengebäck (Zwieback), Mehl, Erbsen, Bohnen, Linsen, Speck, Pökelfleisch, in Salz eingelegter Fisch, Knoblauch, Honig und Speiseöl an Bord genommen. Unterwegs konnte die Kost durch Frischfisch bereichert werden. Als Kochstelle diente ein kleiner, tragbarer Eisenherd, der bei ruhiger See und günstigem Wetter an Deck aufgestellt wurde. Bei Schiffsreisenden des Mittelalters sind – wie bei den Kreuzfahrern – erste Fälle von ®Skorbut vorgekommen, wobei die Ursache unbekannt blieb. Kamen Genesungsfälle infolge der Aufnahme von frischem Obst und Gemüse vor, so wurden sie der Heilkraft gesunder Luft oder der Fürsprache eines Schutzheiligen zugeschrieben.