Robert Grosseteste

Aus Mittelalter-Lexikon
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Robert Grosseteste (wörtlich: Dickkopf, v. vulgärlat. testa = Schale, Kopf; auch Robertus Lincolniensis, R. Capito, Megacephalus, Greathead; um 1175 - 1253). Robert war ein Kind armer Leute aus Stradbroke (Suffolk). Er wurde Priester, studierte in Paris, lehrte in Oxford, und war maßgeblich an der Umwandlung der dortigen Schule in eine Universität beteiligt, deren erster Kanzler er 1208 wurde. Ab 1224 lehrte er an dem neugegründeten Franziskaner-Kolleg, ohne selbst dem Orden beizutreten. 1235 wurde Robert zum Bischof von Lincoln gewählt. In der herausragenden Position als Bischof der größten englischen Diözese konnte er wirkungsvoll gegen die römische Unsitte wettern, italienischen Klerikern Pfründe in England zu überlassen. ("Die Quelle allen Übels ist die römische Kirche, weil sie durch ihre Schenkungen, Pfründerverteilungen und Benefizverleihungen im vollen Sonnenlicht Männer ernennt, die verderblich wirken und keine Hirten sind".) Seine Amtsführung war untadelig und von Reformeifer beflügelt. Als er starb, stand er im Rufe eines Heiligen.
Die Universität von Oxford war von Anfang an berühmt als Hochburg der Naturwissenschaften. Robert übersetzte und kommentierte Werke des Aristoteles, betrieb Mathematik und experimentelle Optik (Arbeiten über Lichtbrechung und Strahlengang) und war ein wichtiger Vertreter der Lichtmetaphysik. Zum Gebrauch an den Schulen der Franziskaner schrieb er die Lehrbücher "De sphaera" (über den Aufbau der Welt nach dem ptolemäischen System, angelehnt an den "Liber de sphaera" des Johannes von Sacrobosco) und "Praxis Geometriae" (zur Erdvermessung). Er unterschied zwischen induktiver (erfahrungsgemäßer) und deduktiver (vernunftgemäßer) Erkenntnismethode und stellte fest, dass es der Erfahrung bedürfe, um Einsichten aufgrund von Sinneseindrücken gewinnen zu können. Da jedoch auch Erfahrungen irrtumsbehaftet sein können, müsse jede Einsicht durch Experimente verifiziert werden. Dabei ließ er sich von zwei Grundsätzen leiten: 1.) dem "Uniformitätsprinzip", demzufolge gleiche Wirkungen stets auf gleiche Ursachen zurückzuführen sind und 2.) dem "Sparsamkeitsprinzip", nach welchem für natürliche Vorgänge stets der einfachste Ablauf anzunehmen ist. Seiner Auffassung nach war die Welt ein System mathematischer Zusammenhänge, war die Realität mathematisch zu beschreiben. Der berühmteste seiner Schüler war ®Roger Bacon.