Romanische Wandmalerei

Aus Mittelalter-Lexikon
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romanische Wandmalerei. Die deutsche Malerei im 10. und 11. Jh. setzt zunächst die Tradition der karolingischen Epoche fort. Es erweitert sich der Themenkreis um Heiligenlegenden und den aufkommenden Marienkult.
Zentrum der Wand- und Buchmalerei waren die Klöster der Bodenseeinsel Reichenau. Hier sind in der St. Georgskirche von Obernzell Teile der Wandmalerei erhalten geblieben: an den Oberwänden des Mittelschiffs sind die Wundertaten des Heilands dargestellt, die Gemälde werden oberhalb und unterhalb von breiten Mäanderstreifen gesäumt. In den Zwickeln der Arkadenbögen finden sich Medaillons mit Brustbildern von Heiligen oder von Äbten des Benediktinerordens. Zwischen den Fenstern sind Apostelfiguren abgebildet. Die Figuren erscheinen in antiker Gewandung, ebenso der Antike entlehnt sind die Form der Hintergrundarchitektur und die Ornamentik der Umrahmung.
Ein Zeugnis aus dem 12. Jh. ist die Wandmalerei der Kirche von Niederzell auf der Reichenau. Der vorher stets bartlos-jugendlich dargestellte Erlöser erscheint hier bereits vollbärtig und in feierlich-erhabener Pose. Neben den Reichenauklöstern gab es bedeutende Zentren der Malerei in Salzburg, im Rheinland um Köln und in Westfalen (Soest). Die weitere Entwicklung im 13. Jh. bringt neuerliche byzantinische Beeinflussung, wohl im Gefolge der Plünderung von Byzanz durch die Kreuzfahrer.
Wenn sich auch nur wenige Reste romanischer Wandmalerei erhalten haben, darf man doch mit Sicherheit annehmen, dass sie zu didaktischen Zwecken (im Sinne einer Volksbibel) und zu Schmuck und Gliederung der Flächen Allgemeinbrauch der Kirchenausgestaltung war.
(s. Deckenmalerei)