Salböl

Aus Mittelalter-Lexikon
Wechseln zu: Navigation, Suche

Salböl (oleum sanctificatum; Ölung = mhd. ölunge, olelunge; lat. unctio). Nach dem Vorbild alttestamentl. Salbungen (zu Propheten oder Herrschern) kannte die christl. Liturgie Salbungen, durch welche Stärke und Weisheit des Heiligen Geistes übertragen wurden. Salbungen waren Bestandteil der Zeremonien bei Taufe, Firmung, Bischofs- und Priesterweihe, bei der Letzten Ölung und bei der Königsweihe, bei der Weihe von Kirchen und Altären. Je nach Anlass verwendete man drei Sorten liturgischen Öls: Katechumenenöl (geweihtes Öl für die vorbereitende Ölung bei der Taufe), oleum exorcizatum (bestimmt für Taufe und Exorzismus), Krankensalbungsöl und das kostbare Chrisam (Chrisma; zu grch. chriein = salben; Christus = der Gesalbte; mhd. krisem, kresem). Alle drei Salböle wurden aus reinem ®Olivenöl hergestellt. Dem Chrisam waren Balsam oder andere Duftstoffe beigemengt. Chrisam wurde am Gründonnerstag in einem feierlichen Gottesdienst („Chrisammesse“) durch den Bischof geweiht. Für die einfacheren Öle genügte eine schlichte Segnungszeremonie. Zur Aufbewahrung diente das Chrismorium, ein dreigeteilter Behälter in Form einer Büchse. Das geweihte Öl spielte auch in der Volksmedizin und im Aberglauben eine Rolle (s. Sakramentenzauber). So wurden Geisteskranke mit benediziertem Öl bestrichen, wurde Kranken Salböl als Heilmittel eingegeben oder applizierte man bei Viehseuchen das Zeichen des Kreuzes mit Salböl auf Stirn und Rücken der Tiere.