Sandmacher

Aus Mittelalter-Lexikon
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Sandmacher (auch Sandmann, Sandbauer, Sander; zu mhd. sant = feinkörniges Quarzmaterial). Wo Sand an der Oberfläche ansteht (wie etwa großflächig in Brandenburg oder als Fluss- oder Ufersand) wurde er oberirdisch, ansonsten bergmännisch (als Bruchsand) abgebaut. Die mit einfachem Werkzeug (Hacke, Meißel, Klüpfel) aus dem Fels gebrochenen Sandsteinbrocken wurden entweder in einer Sandmühle oder in Heimarbeit mit hölzernen Stampfen zu Sand zerkleinert (Pochsand) und nach Korngröße gesiebt und sortiert.
Bausand wurde in großen Tagebauen (Sandgruben) gewonnen und als Massenschüttgut zu den Baustellen verfrachtet, wo er als Bestandteil von Mörtel und Putz benötigt wurde.
Die ®Glasherstellung benötigte möglichst reinen Quarzsand als Ausgangsmaterial.
Feinere, meist weiße Sande aus den oberen Lagen des Buntsandsteins, wie er besonders in Süddeutschland ansteht, wurden entweder zum von Leuten aus der Umgebung zum Eigenbedarf heimgeholt oder von nebenberuflich oder saisonal arbeitenden Sandern abgebaut und von Sandhausierern (santvüerern) – je nach Korngröße sortiert – als Scheuer- (Feg-, Stuben-), Polier-, Putz- und Schreibsand (Lösch-, Streusand) vertrieben. Sander gehörten der Unterschicht an; sie arbeiteten familienweise, wobei Frauen und Kindern die leichteren Arbeiten wie Stampfen und Sieben erledigten. Von dem geringen Erlös hatten sie noch Pacht an den Besitzer der Sandlöcher und –höhlen zu zahlen. Gerwerbetypische Krankheiten waren chronische Bronchitis (Staublunge) und Augenleiden (chron. Konjunktivitis, Blepharitis, Keratitis).
Feg-, Scheuer- oder Putzsand mit einer Korngröße von weniger als 1 mm benutzte man zur Schmutzbindung auf Dielenböden oder Holztischplatten und zur Säuberung von Holzbottichen oder metallenem Küchengerät, zum Polieren von Metallteilen (s. Harnischmühle) sowie zum Händereinigen. Sande im Mikrometerbereich dienten zum Trocknen (Löschen) der schreibnassen Tintenschrift und für medikamentöse Zwecke (etwa als wässrige Aufschwemmung gegen „kaltes Fieber“ [Froststadium des Wechselfiebers oder der Cholera] oder zur Zahnreinigung).
Ausgesandete Höhlensysteme gibt es z.B. auf den Hügeln Bambergs („Katakomben“), unter der Festungsruine Hohenberg in Homburg a.d. Saar („Schlossberghöhlen“) und im thüringischen Walldorf a.d. Werra. Das Alter der letzteren schätzt der Heimatforscher H. Rauschert aufgrund ihrer Größe auf mehrere hundert Jahre.
(s. Sand, Staublunge)