Schiiten

Aus Mittelalter-Lexikon
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Schiiten (arab., v. Schiat Ali = Partei Alis). Ali, ein Schwiegersohn Mohammeds, wurde als vierter Kalif erwählt, nachdem zwei seiner Vorgänger ermordet worden waren. Auch Ali wurde Opfer eines Mordanschlags. In den sich anschließenden Auseinandersetzungen um die Nachfolge stellten sich seine Anhänger auf den Standpunkt, dass alle weiteren Kalifen nur Abkömmlinge Alis sein dürften. Trotz heftiger Auseinandersetzungen, denen 680 auch Alis Sohn Hussein zum Opfer fiel, konnten sich die Parteigänger Alis, die Schiiten, mit ihrer Ansicht nicht durchsetzen. Sie trennten sich von der Glaubensrichtung der machthabenden Familie der Omajjaden und deren Anhängerschaft, den ®Sunniten, von denen sie sich auch durch die Ablehnung der ahadith (Verhaltensregeln; s. Islam) und durch das ausschließliche Festhalten am ®Koran unterschieden. Die Schiiten wählten ihre geistl. Führer (Imame) weiter unter den Nachkommen Alis, bis 874 der 11. und letzte Imam starb, anscheinend ohne einen Nachfolger zu hinterlassen. Seither leben die Schiiten im Glauben an die Prophezeiung, dass ein zwölfter, geheimnisvoller Imam, der Mahdi, im Verborgenen darauf warte, zu einer von Allah bestimmten Zeit hervorzutreten und ein goldenes Zeitalter des Islam einzuleiten. Die Schiiten splitterten sich in der Folgezeit in mehrere Sekten auf, darunter die radikalen ostarabischen Karmatianer, die Ismaeliten, die Fatimiden und die terroristischen Assassinen. (Das Wort "Assassinen" ist eine europäische Verballhornung des arab. hashishim = Haschisch-Esser.)