Schriftzauber

Aus Mittelalter-Lexikon
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Schriftzauber. Dem geschriebenen Wort oder einzelnen bedeutungsvollen Buchstaben schrieb der ma. Volksglauben einen direkten Zusammenhang mit dem dahinterstehenden Gott, Dämon oder Zauberzweck zu, und damit eine magische Potenz. Als besonders wirksam galten die Namen Gottes, des eingeborenen Sohns, von Engeln, Propheten usw., auch ganze Gebete (Vaterunser), Kirchenlieder oder Zeilen aus den Evangelien. Für gesteigerte Wirkung sorgten ein dem Zwecke angemessener Beschreibstoff (Pergament, Papier, Metallplättchen, Pflanzenblätter), eine besondere Anordnung der Wörter (s. Magisches Quadrat {Sator-Arepo-Formel}, Abrakadabra {Schwindeschema}) und Buchstaben (z.B. das ganze Alphabet – waren darin doch alle denkbaren Namen und Wörter erhalten, oder Kürzel wie INRI oder C+M+B) sowie eine passende Schreibflüssigkeit (Blut von Mensch und Tieren, rote Tinte). Zum Verfassen und Niederschreiben derartiger Zauberschriften wandte man sich an schreibkundige Schäfer, Hexen, Scharfrichter usw., auch an Juden, Lehrer oder Geistliche. Der fertige Zauber wurde als Talisman getragen, über die Haus- oder Stalltür genagelt, einem Stück Vieh oder einer Zielperson eingegeben, verpflockt oder vergraben.
Auf christlichen Texten oder Wörtern beruhende Schutzbriefe (Gebetszettel, Ablassbriefe) waren von der Kirche geduldet, alle übrigen wurden als heidnische Zauberei bekämpft.
(s. Jenseitsbriefe)