Senf

Aus Mittelalter-Lexikon
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Senf /mhd. senef, senf; lat. sinapis). Gewürz, gewonnen aus den Samenkörnern verschiedener Senfpflanzensorten, darunter Schwarzer Senf (Brassica nigra), Weißer Senf (Sinapis alba) und Ackersenf (Sinapis arvensis). Aus Vorderasien über den Mittelmeerraum und das maurische Spanien kam die Senfpflanze im FMA. nach Mitteleuropa, wo sie bald zur wichtigsten scharfen Gewürzgrundlage wurde. Karl d. Gr. hat seinen Gütern 795 die Anlage von Senfkulturen vorgeschrieben. Der Aromastoff der Senfkörner ist das stechend-scharfe Senföl, das sich aus den pulverisierten Körnern erst im feuchten Zustand entwickelt. Außer zum Würzen wurde Senf auch als Arzneimittel geschätzt; er wurde äußerlich (als Badezusatz, Salbe oder Pflaster) und innerlich (als Pulveraufguss oder in Form einer Inhalation von Rauch aus Senfkörnern) angewandt und sollte u. a. gegen Hautleiden, Verdauungsstörungen, Herzschwäche und als Aphrodisiacum wirken.
Der ®Macer Floridus führt zu Sinapis aus: "Erwärmend und trocknend ist Senf im vierten Grad. Deshalb verdünnt er zähklebrige Säfte (Weißschleim) und zieht sie ab. Ja, er verbrennt sogar die Haut, so groß ist die Macht seiner Wärme." Ferner wird hingewiesen auf die Schärfung der Sinne, auf die "Zerreibung" und Abführung von Nieren- und Blasensteinen, auf eine schnupfenstillende und hustenlösende Wirkung, auf seine heilsame Wirkung gegen Pilz- und Schlangengifte - sämtlich bei innerlicher Anwendung. Äußerlich - als Pflaster - wirke er gegen Ischias, Milz- und Leberschwellung. Getrockneter Saft aus dem Blattwerk der Pflanze vertreibe Zahnschmerzen, Rauch von Senfkörnern sei heilsam bei Fallsucht, mit Starkwein angemacht, hilft eine Salbe aus zerstampften Senfkörnern, Honig oder Schmalz gegen Aussatz u. a. m.
Im Aberglauben der Zeit galt mit Katzenkot vermengter Senf als Mittel gegen Haarausfall.
Im frz. Dijon wurde schon im 13. Jh. Würzsenf manufakturmäßig produziert und die Stadt erhielt alsbald das Senfherstellungsmonopol für Frankreich. Bei frz. Adligen wurde es üblich, Gästen ein Fässchen Senf als Abschiedsgeschenk zu übergeben. Bei einem Bankett, das der Burgunderherzog Odo IV. für den frz. König Philipp VI. ausrichtete (1336), sollen laut Abrechnung 250 Liter Senf verbraucht worden sein.