St. Brendan

Aus Mittelalter-Lexikon
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St. Brendan. (Brénaind, Brandan, Brendanus Clonfertensis, „Brendan der Reisende“; um 484-577 [583?]). Geboren in der Grafschaft Kerry im Südwesten Irlands, gebildeter Mönch, wahrscheinlich 512 zum Priester geweiht, Missionar, Gründer von Klöstern in Irland, Schottland, Wales ind in der Bretagne, Abt des Klosters Clonfert (Cluainfert, in der Grafschaft Galway an der Westküste Irlands), das er selbst um 560 gegründet hatte.
Brendan wurde bekannt durch die Beschreibung einer phantastischen Seereise („Navigatio Sancti Brendani abbatis“, um 1050), die er zusammen mit – je nach Überlieferung – zwölf, 14, 18 oder 60 Klosterbrüdern von 565 bis 573 in einem ledernen Fischerboot (s. Curragh) im „Westmeer“ unternommen haben soll. Ziel der Seereise sollte das „Verheißene Land der Heiligen“ („Terra Repromissionis Sanctorum“, "insulae sancte beate", "insulae fortunatae") sein, von dem ihm ein reisender Mönch erzählt hatte. Die Reisebeschreibung ist mit vielen irischen Märchenmotiven und wunderbaren Naturerscheinungen ausgeschmückt und gipfelt im Erreichen des Paradieses (der „Insel der Glückseligen“, „Sankt-Brendan-Insel“).
Mit 90 Jahren zog sich Brendan zu seiner Schwester Briga, der Äbtissin von Enagh Duin (heute Annaghdown) zurück, wo er auch starb. Bestattet wurde er auf eigenen Wunsch in Clonfert. Er ist nach St. Patrick der populärste der irischen Heiligen und gilt als Patron der Seeleute; sein Gedenktag ist der 16. Mai.
Der Reisebericht geht auf eine ältere „Vita Sancti Brendani“ zurück, gehörte zu den beliebtesten Erzählungen des MA. und erfuhr vielfache Bearbeitungen. Er wurde lange Zeit für eine Tatsachenschilderung gehalten; noch heute wird spekuliert, ob die von Brendan angelaufenen Küsten diejenigen der Kanaren, Azoren, Hebriden, der Faröer, der Insel Madeira, Islands, Grönlands oder Neufundlands sein könnten. Es sind über 100 Handschriften in Latein und in volkssprachigen Übersetzungen (Frz., Dt., Ndld., Engl.) erhalten. Eine deutsche Fassung stammt von ® Johann Hartlieb (15. Jh.). Der um 1492 in Nürnberg entstandene Globus des Martin Behaim zeigt eine nach Brendan benannte Insel im nördlichen Atlantik. Vorher fand sich eine solche auf der Ebstorfer Weltkarte und auf der Hereford-Karte.