Steinbock

Aus Mittelalter-Lexikon
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Steinbock, Alpensteinbock, gemeiner St. (mhd. steinboc; lat. ibex; wiss. Capra ibex). Eine in den felsigen Hochlagen der Alpen beheimatete Ziegenart. Geißen mit den Jungtieren und Böcke leben in getrennten Rudeln, nur zur Brunftzeit im Winter suchen starke Böcke eine Herde Weibchen unter ihre Herrschaft zu bringen und fechten dazu mit ihren gewaltigen, säbelartig gekrümmten Hörnern heftige Kämpfe mit ihren Konkurrenten aus.
Hildegard von Bingen schreibt: Der Steinbock ist mehr kalt als warm. In seinem Verhalten zeigt er Unaufrichtigkeit. Er hält sich gern auf den Bergen, in Nebel, Reif und Tau auf. Seine Kraft ist so unkontrolliert, dass er sich oft bis zu tödlicher Erschöpfung überanstrengt. Sein Fleisch aber ist schleimig und kraftlos und taugt weder für den gesunden noch für den kranken Menschen als Speise.... Mach aus seinem Fell einen Gürtel und Schuhe, zieh diese an, und sie werden deinem Körper die Gesundheit erhalten." Den Schwanz in Wein eingelegt empfiehlt sie als Gegengift. Ein Messer mit einem Griff aus dem Horn des Steinbocks "wird dir Gesundheit verleihen."
In der ma. Volksmedizin galten so gut wie alle Körperteile des Steinbocks als Heilmittel – das Tier wurde quasi für eine „kletternde Apotheke“ gehalten. Nicht zuletzt aus diesem Grund wurde er - obwohl er dem landesherrlichen Wildbann unterlag - so stark bewildert, dass es bis zum Ende des des 15. Jh. fast ausgerottet war.
(s. Bezoar, Wildbann)