Steinmetz

Aus Mittelalter-Lexikon
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Steinmetz (mhd. steinmetze, -meize; ahd. steinmezzo; v. vlat. macio = Maurer; mhd. auch: steinman, -meister, -werker, -würke; lat. lapicida). Im FMA. entwickelte sich im klösterlichen Bereich, daraus hervorgehend im HMA. auch im profanen Bereich, das Steinmetzhandwerk, das auf die exakte Zurichtung und die künstlerische Gestaltung der Steinquader spezialisiert war. Steinmetzgesellen, die nach der Wanderung eine zusätzliche zweijährige Lehre bei einem Meister absolviert hatten, konnten Bildhauer werden.
In den Bauhütten kirchlicher Großbaustellen organisierten sich die Steinmetze in Bruderschaften, die in Städten sesshaften schlossen sich in Zünften zusammen. Bruderschaften wie Zünfte erhoben Aufnahmegebühren, sammelten Beiträge und kassierten Strafgelder für Übertretungen der Ordnung. Mit diesen Geldern wurden Begräbnis und Gedenkmessen für Mitglieder bezahlt.
Ein geregeltes Lehrlingswesen gab es seit dem 14. Jh.; das Eintrittsalter eines Lehrlings ("Dieners") bei einem Meister sollte etwa 14 Jahre betragen. Die Lehrzeit dauerte im Bauhüttenwesen bis zu 6 Jahren, in den städtischen Zünften 3 Jahre, und wurde meist ohne Prüfung abgeschlossen. Anschließend war eine einjährige Wanderschaft üblich, während der die Gesellen sich weiterbilden sollten. Nach Abschluss der Wanderzeit konnte der Steinmetzgeselle für zwei Jahre als "Kunstdiener" oder "Meisterknecht" bei einem Meister Entwurfs- und Konstruktionskenntnisse erwerben oder sich als Bildhauer ausbilden lassen. Eine Meisterprüfung war, zumindest an den Hütten, nicht vorgesehen; die Gesellen mussten sich sich um eine freie Meisterstelle bewerben und erlangten mit der Berufung die Meisterwürde.
Steinmetze standen – schon wegen ihrer guten Entlohnung (Tagelohn oder Stücklohn) – in hohem Ansehen. Im 15. Jh. betrug der Lohn eines Steinmetzen das vierfache dessen eines Schlossers und das achtfache dessen eines Schneiders.
Das Handwerkszeug bestand aus verschiedengeformten Steinhauen (Doppelfläche, Zweispitz, Spitzfläche und Zahnfläche) und dem Schlegel (Fäustel) zur Rohbearbeitung der Blöcke sowie Holzschlegel (Klöpfel) und Meißeln (Schlag-, Spitz und Zahneisen) für die Feinarbeit. Die Form der Werkstücke wurde mit Winkel, Messlatte, Reißnagel und Stechzirkel aufgemessen oder nach einer Holzschablone in Serie angefertigt. Sofern Steinmetze das Steinesetzen besorgten, hantierten sie auch mit Lotwaage, Lot und Richtscheit. In den Steinbrüchen waren Steinmetze als Vorarbeiter (vorslegere) für material- und maßgerechtes Grobzuhauen der in Auftrag gegebenen Quader zuständig. Die dabei erzielte Minderung des Transportgewichts ergab eine wesentliche Senkung der Transportkosten; zudem fiel an der Baustelle weniger Steinschutt an.(s. Baumaterialtransporte, Steinbrüche)
Die Entlohnung erfolgte zum einen Teil in Geld, zum anderen Teil in Naturalien (Wein, Bier, Brot, Käse, Salz, Feuerholz usf.). Die Bezahlung erfolgte nach Tages- oder Stücklohn. Der Tageslohn war dabei im Winter geringer als im Sommer, da die Tage und damit die Arbeitszeit kürzer waren. (Die Wintersaison unterschied sich je nach geographischer Breite. Sie währte z.B. in Süddeutschland und in der Schweiz vom St. Gallentag am 16. Oktober bis zu Petri Stuhlfeier am 22. Februar.)
Patrone der Steinmetze waren die Vier Gekrönten (s. Quattuor coronati), daneben auch die hl. Barbara, St. Blasius, St. Stephanus und die Apostel Petrus und Thomas.
(s. Werkzeuge zur Steinbearbeitung)