Stigmatisation

Aus Mittelalter-Lexikon
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Stigmatisation (v. grch. stigma = Wundmal, Stich). Der Begriff ist christl. Herkunft und bezeichnet die schmerzhafte Manifestation einiger oder aller – meist blutenden – Wundmale Jesu (herrührend von Dornenkrone, Geißel, Kreuzesnägeln und Lanze) an einem lebenden Menschen. Eines der ersten und zugleich das bekannteste Beispiel einer Stigmatisation war die des Franz von Assisi, dem der Gekreuzigte als Seraph erschien und ihm die Wundmale übertrug (1224). Dafür, dass es nicht wenige Zweifler an der Echtheit der Stigmata des Franziskus gab, sprechen "nicht weniger als neun päpstliche Bullen". (V. Groebner) - Zwei Engländer, die 1222 als Stigmatisierte aufgetreten waren, landeten als Zauberer im Feuer. Die Stigmatisierten späterer Zeit waren fast ausschließlich Frauen (s. Katharina von Siena). Sie dürften zumeist mehr oder minder fromme Betrügerinnen gewesen sein, für einen Teil der Erscheinungen steht eine endgültige Erklärung noch aus; sie könnte jedoch in der psychopathischen Verfassung der Betroffenen und in autosuggestiven Mechanismen zu suchen sein.