Streitgedicht

Aus Mittelalter-Lexikon
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Streitgedicht. Die literarische Form des Dialogs wurde im MA. häufig für das "Streitgedicht" verwandt; als Vorbild dürfte die scholastische Disputation gedient haben. Zwei Personen, personifizierte Begriffe oder Gegenstände führten eine Wechselrede, um über die Richtigkeit einer Behauptung, Wert oder Unwert einer Sache, Vor- oder Nachteil einer Person zu einer Entscheidung zu kommen. Zu den mlat. traten mhd. und frnhd. Dialogdichtungen. Dialogpartner waren etwa der Pfaffe Amis und sein Bischof (in "Amis der Pfaffe" von Der ®Stricker; 1. Hälfte des 13. Jh.), Leben und Tod (im "Ackermann von Böhmen", um 1400, von ®Johannes von Saaz), ferner Winter und Sommer, Leib und Seele, Frau Minne und Frau Welt. In den sma. Fastnachtsspielen wurde das Streitgedicht als dramaturgisches Mittel eingesetzt, häufig als Disput zwischen Tugend und Laster.
Textbeispiel aus "Streitgespräch zwischen Liebe und Schoene" von Reinmar von Zweter:

Diu Liebe zuo der Schoene sprach: "ich bin gewert
vil maneges stolzen heldes und vil maneger werden frouwen."
diu Schoene sprach: "ich bin, diu hoehers werdes gert,
daz ich durch miner fröuden lust mich laze in wirde schouwen."
diu Liebe sprach: "swem ich bin liep,
den dunke ich schoene und da bi guot, swes ich mich underwinden."
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