Tegernsee

Aus Mittelalter-Lexikon
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Tegernsee (Kloster). Um 760 gründeten die besitzmächtigen Brüder Adalbert und Otgar aus bairischem Adel am Ostufer des oberbayer. Tegernsees ein Kloster, dessen erster Abt Adalbert wurde, während Otgar erst später eintrat. Um 765 wurden hierher die Reliquien des hl. Quirin aus Rom überführt, worauf ein reger Zustrom von Wallfahrern einsetzte. Die Erhebung zum Königskloster (nach 788) erhöhten Ansehen und Reichtum, verpflichteten aber auch zu Heerfolge und jährlicher Zinsleistung (dona annualia). Im 9. Jh. war Tegernsee das reichste Kloster Bayerns und stand an führender Stelle unter den 14 Abteien der Karolinger; es hatte Filialklöster in Ilmmünster und St. Pölten sowie 17 klösterliche Eigenkirchen, besaß reiches Landgut, Salinen und Weinberge. Durch Überfälle der Ungarn wurde das Kloster weitgehend zerstört, 975 vernichtete ein Brand die übriggebliebenen Gebäude. In der Folgezeit wurden dem geschwächten Kloster viele Ländereien und Salzrechte entrissen. 978 sorgte Otto II. für die Neugründung und für die Einführung der Reform von ®Gorze. Das Kloster erhob sich zu neuer Blüte und wurde schon bald zu einem der wichtigsten Zentren der Gelehrsamkeit, der Literatur, der Buch- und Glasmalerei. Die Klosterbibliothek umfasste 80.000 Bände. Im letzten Drittel des 11. Jh. verfasste ein Tegernseer Mönch mit "Ruodlieb" den ersten fiktionalen Roman und Ritterspiegel des MA. Um 1160 entstand in Tegernsee das erste ®Antichristspiel in Deutschland, der "Ludus de Antichristo". Im 13./14. Jh. entwickelte sich das Kloster zu einem reinen Adelskloster mit Sanktionierung des Privateigentums. Bald verkam die Klostermoral, wurde Klosterbesitz verschleudert, finanzierten die Brüder ihr irdisches Wohl durch Schuldenmacherei. Erst im 15. Jh. kam es unter Abt Aynsdorfer zu einer Wiederaufrichtung der monastischen Zucht und Ordnung.