Thorn

Aus Mittelalter-Lexikon
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Thorn (poln. Torun). Nordpolnische Stadt an der Weichsel, ca. 160 km landeinwärts von deren Mündung in die Ostsee. Hier hatte vom 8. bis zum 12. Jh. eine slaw. Marktsiedlung bestanden, bevor 1231 in unmittelbarer Nachbarschaft eine Burg des Deutschritterordens gegründet wurde. Die Siedlung profitierte vom Schutz der Ordensburg, vom Zuzug deutscher Kaufleute und Handwerker und entwickelte sich aufgrund ihrer günstigen Lage an der Kreuzung wichtiger Handelsrouten zu einem bedeutenden Wirtschaftszentrum. 1233 wurde sie nach dem Stadtrechtsprivileg des Deutschen Ordens (s. Kulmer Handfeste) zur Stadt erhoben, 1280 trat sie der Hanse bei. Thorn war angesehener Schöffenstuhl, der nach Magdeburger Recht urteilte wie viele andere Städte des Ostens (z.B. Breslau, Kulm, Krakau, Posen). Im 15. Jh. begannen die Thorner Bürger, gegen die Herrschaft des Ordens aufzubegehren. Nach der Niederlage des Ritterordens in der ®Schlacht von Tannenberg (1410) schlossen sich die Städte des Ordenslandes – darunter Thorn – 1440 im Preußischen Bund zusammen, um mit Hilfe Polens ihre Unabhängigkeit von dem nunmehr geschwächten Orden zu erstreiten. Der zweite Friedensvertrag von Thorn (1466) brachte die Stadt unter polnische Hoheit, was mit zahlreichen Privilegien und weiterem Gedeihen verbunden war.
In der Altstadt von Thorn haben sich zahlreiche ma. Bauten erhalten, so z.B. die Marienkirche (ehem. Franziskaner-Klosterkirche, 1350 – 70 als dreischiffige Halle mit rechteckigem Chor errichtet), die Jakobskirche (1309 – 50), die Johanneskirche (13. – 15. Jh.), die Ruine der Burg des Deutschritterordens (erbaut im 13. Jh., 1454 von aufständischen Bürgern Thorns zerstört), das Rathaus (1393, Backsteingotik; enthielt "rathus, koufhus, dinghus, brodbenk, buden, woge und andir gemache"; noch heute Ratusz genannt) und Teile der Stadtbefestigung (13. – 15. Jh.). (In Thorn wurde 1473 der berühmte Astronom, Jurist und Arzt Nikolaus Kopernikus geboren.)