Tretscheibe

Aus Mittelalter-Lexikon
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Tretscheibe wird eine Vorrichtung genannt, mittels der die Körperkraft von Tretknechten (Scheibentretern) zum Antrieb von Hebewerken ("gezeug so berg und wasser heben") genutzt wurde. Konnte bei der Handhaspel nur die Muskelkraft der Arme und des Oberkörpers genutzt werden, so kamen auf der Tretscheibe Armkraft, Beinkraft und Körpergewicht zur Wirkung. Die runde, mit Trittleisten radial beschlagene Tretscheibe war ca. 15° gegen die Horizontale geneigt über dem Boden gelagert und drehfest mit der vertikalen Welle (Spille) verbunden. Die Tretknechte stützten sich an einer fest verankerten Stütze ab, und legten ihre ganze Kraft in die aufwärts gerichtete Gehbewegung, durch welche die Scheibe in Drehung versetzt wurde. Die Tretkraft wurde über ein ®Kammrad-Stockgetriebe um 90° umgelenkt und auf den Windenbaum übertragen. Dessen Drehbewegung konnte durch Umkehrung der Tretrichtung gewechselt werden.
Leicht abgeändert in Größe und Form waren Tretscheiben, die durch einen oder zwei Ochsen bewegt wurden. Der Ochse lief auf der einen Hälfte der schräg (ca. 6°) liegenden Scheibe aufwärts und drehte diese durch die Energie seiner Beinarbeit und durch sein Gewicht unter sich nach hinten weg. Er war mit einem Halsriemen an einem festen Punkt vor sich angeleint. Sobald er seinen Schritt verlangsamte, zog sich die Schlinge zusammen und trieb ihn zu schnellerer Gangart an. So lernte das Tier, sich gleichmäßig zu bewegen.