Vogelherd

Aus Mittelalter-Lexikon
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Vogelherd (mhd. vogelhert, zu mhd. hert = Boden, Feuerstätte; hier: über das Bodenniveau erhöhte Fläche zum Vogelfang). Vogelsteller benutzten einen solchen Platz, um mit Schlagnetzen aus feinem Garn, Fußschlingen, Holzkloben-Fallen, Pech- oder Leimruten Singvögel zu fangen. Der Vogler saß dabei in Deckung einer Vogelhütte, von wo aus er den Fangplatz im Blick behalten und die Fangwerkzeuge betätigen konnte. Die Vogelhütte bestand aus Tannenreisig oder belaubtem Astwerk. Zum Anlocken dienten Lockvögel (in verdeckten Käfigen), Lockpfeifen, Vogelfutter (Samenkörner, Beeren, Insekten, Würmer, Larven) oder eine Wasserstelle (Vogelsulze), welche die Vögel zur Tränke und zum Bad annahmen (Tränkherd). Der Vogelfang war das Jagdvergnügen des kleinen Mannes; er galt Amseln, Drosseln, Rotkehlchen, Zeisigen, Finken, Ammern, Stieglitzen, Sperlingen usf., die zum menschlichen Verzehr, zur häuslichen Käfighaltung oder als Atzung bzw. als Flugbeute an Falknereien verkauft wurden.
Ähnliche Fangstellen gab es in angepasster Form auch für Wildtauben, Schnepfen und Enten.
(zu Verboten des Vogelfangs s. Tierschutz)