Wacholder

Aus Mittelalter-Lexikon
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Wacholder (mhd. queckolter, wecholter, zu ahd. wehhal, mhd. quec = lebensfrisch, immergrün; lat. iuniperus; bot. Juniperus communis; viele mundartliche Namen, darunter Kranewitt, Machandel, Wachandel, Reckolder, Holler). Spitzkegelig wachsende, immergrüne, anspruchslose Sträucher oder Bäume aus der Familie der Zypressengewächse, mit nadelförmigen, stechenden Blättern und erbsengroßen, beerenförmigen, blau-schwarzen weiblichen Zapfen, deren medizinische Wirkung schon den Ärzten der Antike bekannt war. Die „Beeren“ benötigen zwei bis drei Jahre zur Reife und werden dann getrocknet. Heilkundige ordneten ihnen die Qualitäten wärmend und trocknend im dritten Grad zu. Wirksame Inhaltsstoffe sind u.a. ätherische Öle, Bitter- und Gerbstoffe.
Hippokrates verwendete die Wacholderbeeren äußerlich bei Wunden und Fisteln, innerlich zur Wehenanregung. Dioskurides empfahl sie bei Magen- und Darmkrämpfen und als harntreibendes Mittel. Hildegard von Bingen verordnete Wacholderbeerensud gegen Lungenleiden und Fieber sowie gegen Wassersucht. Räucherungen mit dem aromatischen Qualm brennender Wacholderbeeren oder Wacholderholzes galten als wirksames Abwehrmittel gegen die "Pest", worunter allerlei ansteckende Krankheiten von Mensch und Vieh verstanden wurden. (s. missum imperatori de pestilentia, Räucherungen (Med.), Räucherungen (Mag.)). Im Kräuterbuch des Johann Hartlieb werden frische oder getrocknete Wacholderbeeren als Mittel gegen verschiedene Formen von Magen- Darmstörungen genannt.
Außermedizinisch verwendete man Wacholderbeeren als Speisengewürz (z.B. v. Fleisch, Fisch, Sauerkraut) sowie als Konservierungsstoff beim Bierbrauen. Im balsamischen Rauch von brennendem Wacholderholz räucherte man Würste, Schinken, Speck und Fisch. Wacholderharz wurde als Weihrauchersatz verwendet. Das zähe und dauerhafte Holz war gesucht als Material für Drechselarbeiten und Schnitzereien.
Im Aberglauben galten Wacholderzweige – wohl wegen des kampferartig-aromatischen Geruchs und wegen der stechenden Nadeln – als Zauber- und Dämonenabwehr. Als Schutzzauber - etwa gegen Fallsucht - galten Amulette in Form von zu Ketten aufgefädelten Wacholderbeeren. Wacholder spielte auch bei Warzenbeschwörungen eine Rolle.
Die Wanderschäferei mit Schafen und Ziegen hat auf mageren, hängigen Böden, wo eine andere Nutzung nicht möglich war, das charakteristische Bild der "Wacholderheide" entstehen lassen. Die Tiere hatten nämlich als einzige Pflanzenart den Wacholderbaum wegen seiner spitzen Nadeln vom Verbiss verschont, sodass er als einziger Strauch oder Baum die Landschaft beherrscht, so z.B. auf der Schwäbischen und Fränkischen Alb. in der Eifel und in der Lünebuger Heide.