Waldenser

Aus Mittelalter-Lexikon
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Waldenser (Der Name wurde von den katholischen Gegnern der Bewegung geprägt; deren Anhänger selbst nannten sich „Die Armen Christi“ oder „Arme von Lyon“. "Waldenser" nach dem Familiennamen eines "Waldes" ,vor 1150 - 1216?; der Vorname Petrus erscheint erst in Quellen des 14. Jh.; latinis. Valdesius). Der erfolgreiche und vermögende Kaufmann Waldes aus Lyon entschloss sich 1177/78, Beruf, Familie und Besitz aufzugeben, um als wandernder Laienprediger den Armen der Stadt Lyon und der umliegenden Dörfer das Evangelium nahezubringen. Selbst des Lateinischen nicht mächtig, ließ er Teile der Bibel in die Volkssprache übersetzen – sollte doch jeder Christ selbst die Bibel lesen können. Waldes hatte, schon wegen des krassen Gegensatzes zwischen Arm und Reich, großen Zulauf aus den armen Volksschichten und fand Gleichgesinnte, die wie er in der Nachfolge der Apostel in Armut lebten und predigten. Die Kirche, die ihr Predigtmonopol verletzt sah und sich durch die wachsende religiöse Armutsbewegung bedroht fühlte, reagierte mit der Ausweisung der "Armen von Lyon", wie sich die Waldenser selbst nannten, aus der Erzdiözese Lyon (1183) und der Verurteilung der Bewegung als ketzerisch (1184, Konzil von Verona), obwohl sie anfänglich keinen häretischen Thesen anhing. Nach ihrer Vertreibung verlor die Sekte ihren lokalen Charakter; sie griff nach Oberitalien (Lombardei), Deutschland, Österreich, Böhmen, Schlesien, Polen und Ungarn aus, wobei sich radikale und gemäßigte Strömungen herausbildeten. Die einen lehnten Heiligenverehrung und Reliquienkult, Ablass, die Lehre vom Fegfeuer, Todesstrafe, Kriegsdienst, Eid und Kirchensteuer (Zehnt) ab, spendeten gelegentlich auch selbst die Sakramente. Die anderen unterwarfen sich dem klerikalen Gehorsam und wurden als "katholische Arme" wieder in die Kirche aufgenommen.
Radikale, den ®Humiliaten nahestehende Waldenser traten in Deutschland als "Rünkler" (Runcarii) auf, wohl nach Johannes von Ronco benannt, dem ersten Führer der "lombardischen Armen". Deutsche Zentren der waldensischen Bewegung fanden sich in Regensburg, Augsburg, Straßburg, Nürnberg, Würzburg, Mainz, Nördlingen, Speyer, Donauwörth, Hagenau, Weißenburg, Erfurt, Plauen und Wittenberg, sowie in einer Reihe kleinerer Ortschaften. Das Waldensertum wurde im 14. Jh. zur Massenbewegung, der hauptsächlich Leute aus dem einfachen Volk – Bauern, Handwerker, Gesellen, Knechte, städt. Arme – angehörten. Seine Sprengkraft rührte von der erwachenden Kritik an den sozialen Missständen und von der Abwendung breiter Volksmassen von dem großenteils korrumpierten kath. Klerus. Das Waldensertum wurde im 15. Jh. durch die Inquisition soweit dezimiert, dass es als Problem nicht mehr wahrgenommen wurde. Außerdem war die Kritik an den Übelständen in der Kirche so allgemein geworden, dass es spezieller Prediger dagegen nicht mehr bedurfte.