Weihnachtsstollen

Aus Mittelalter-Lexikon
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Weihnachtsstollen (Christstollen; mhd. Christbrod [Dresden, 1474]; mhd. stolle = Pfosten, Stütze, hier wohl auf die längliche Form bezogen). Der Stollen war ursprünglich ein ® Gebäck der weihnachtlichen Fastenzeit (Adventsfasten, 11. November bis 6. Januar). Erste Erwähnung findet er 1329 als Festtagsgabe für den Naumburger Bischof Heinrich. Dem Fastengebot entsprechend durfte er nur aus Hafermehl, Wasser und Rübenöl bereitet sein, also weder Butter noch Milch enthalten, und war demnzufolge trocken und von minderem, fadem Geschmack. 1450 erbaten die Kurfürsten Ernst und Albrecht von Sachsen von Papst Nikolaus V., für das Christbrot das Butterverbot aufzuheben. Diesem Gesuch wurde erst 1491 durch Papst Innozenz VIII. (dem fünften Nachfolger des Nikolaus) stattgegeben, der für das Entgegenkommen allerdings eine Bußzahlung in Form eines „Buttergelds“ (dem 20. Teil eines Goldguldens) forderte. Dieses kam der Dombauhütte im sächsischen Freiberg zugute. War die Ausnahmeregelung ursprünglich nur für das sächsische Herrscherhaus bestimmt, so setzte sie sich jedoch auch bald im Volke durch. Nach dem Dresdener Christstollen, unter dem Namen „Striezel“ bekannt, wurde der 1474 erstmals in der Stadtchronik erwähnte Striezelmarkt benannt, der als ältester Weihnachtsmarkt Deutschlands gilt.
Als Gebildbrot sollte der gerollte und übergeschlagene Striezel das in Windeln gewickelte und in der Krippe liegende Christkind darstellen
Die heute üblichen Zutaten wie Nüsse, Früchte und Gewürze, sind erst im Lauf späterer Zeiten aufgekommen und waren je nach Art und Menge streng gehütete Geheimnisse der Bäcker. Das Bestäuben mit feingemahlenem Rohrzucker war - sofern im MA. überhaupt üblich - wegen des exorbitanten Preises wohl nur in höfischen Backstuben bekannt.
(s. Fasten, Zucker)