Wenden

Aus Mittelalter-Lexikon
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Wenden (Winden, Winidi, Winades, Vionudi, Guinedes, Veneti, Venti). Sammelbezeichnung für diejenigen Slawenstämme, die sich im 6.- 8. Jh. östl. von Elbe und Saale niedergelassen hatten und in der Folgezeit bis in die Kieler Bucht und in das heutige Ober- und Mittelfranken vordrangen. Zu ihnen zählen die Sorben, Obodriten, Lausitzer, Pommern, Wagrier u.a. Sie setzten sich vehement gegen frühe Missionierungsversuche zur Wehr. (Notker Balbulus: „pessima omnium natio est die Wenden, die unsz gott eingeworffen hat“.) Erst nach ihrer teilweisen Niederwerfung durch die Ottonen im 10. Jh. und aufgrund intensivem Kontakts zwischen Wenden und deutschen Siedlern und Kaufleuten hatten die Missionare größere Erfolge. Um auch die letzten Reste von renitentem Heidentum zu beseitigen, predigte 1147 Bernhard von Clairvaux einen Wendenkreuzzug zu "Bekehrung oder Ausrottung". Der Kreuzzug wurde von Papst Eugen III. anerkannt und mit einem eigenen Kreuzzugsablass begabt. Der Wendenkreuzzug Heinrichs des Löwen fand energischen Widerstand durch den Obotritenfürst Niklot und endete in einem Vergleich. Eine wendische Groß-Kultstätte bei Kap Arkona wurde 1169 durch König Waldemar I. von Dänemark zerstört (s. Swantewit), worauf die Rügenslawen die Taufe annahmen. Bis zum Ende des 12. Jh. war das Wendentum großenteils ausgelöscht oder in der dt. Bevölkerung aufgegangen. Auch in den Städten der kolonisierten Gebiete wurde aktive antislawische Politik betrieben, wurde die sorbische Sprache fallweise unter Strafandrohung verboten, so 1293 in Anhalt, 1327 in Leipzig, Altenburg und Zwickau, 1424 in Meißen und Dresden. Hierdurch wurde sozialer Aufstieg mit der Aufgabe der slaw. Muttersprache verbunden, wurde die Assimilierung der slaw. Einwohner beschleunigt. Einzig in den unzugänglichen Wäldern um die obere und mittlere Spree erhielten sich abgeschlossene Gruppen der sorbischen Sprachfamilie ihre ethnische und kulturelle Identität.
Die Bezeichnung Sorben (Sorbi, Sorabi) erscheint erstmals 631 in der einem fränk. Mönch Fredegar zugeschriebenen Chronik. In anderen Quellen wurden die Slawen von ihren westl. Nachbarn Wenden oder Winden genannt.
(s. Mainslawen)