Wermut

Aus Mittelalter-Lexikon
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Wermut (mhd. wermuot, wermüete; lat. absinthium; botan. Artemisia absinthium; auch: Bitterer Beifuß). In trockenen Gebieten des nördlichen Eurasiens und Nordafrikas beheimatetes ausdauerndes Staudengewächs aus der Familie der Korbblütler. Gekennzeichnet durch eine Wuchshöhe von bis zu 1 m, gestielte graufilzige dreifach fiederspaltige Blätter, kleine gelbe, in Rispen zusammenstehende Blüten und stark aromatischen Geruch. Der Geschmack der Blätter stammt von Bitterstoffen, Gerbstoffen und ätherischen Ölen.
Die Pflanze war schon in der Antike als Universalheilmittel und als Bittermittel (Amarum aromaticum) bekannt und als appetitanregend, verdauungs- und menstruationsfördernd, harntreibend, schmerzlindernd, sowie als Mittel gegen Augenleiden, Gelbsucht und Schlaflosigkeit empfohlen.
Das Kräuterbuch ® Macer Floridus kennzeichnet den W. als warm im ersten und trocken im zweiten Grad. Zubereitungen mit W., innerlich genossen, seien hilfreich gegen verschiedene Leiden von Magen und Bauch, gegen Gelbsucht und Spulwurmbefall, hülfen für ordentlichen Monatsfluss, gegen Gelbsucht, verstockten Husten, Milzschwellung, sowie gegen alle Leiden der Gelenke, gegen Fußgicht, Mumps, Krebs, Hunde- wie Insektenbisse und fressende Geschwüre. Abschließend ein praktischer Hinweis für die Schreibermönche: „Dein Tintenpulver löse auf mit Wein, in dem dieses Kraut eingeweicht worden ist: wenn du damit dein Pergament beschreibst, wird keine Maus es je benagen.“
Hildgard v. Bingen empfiehlt einen Trunk aus W. und Eisenkraut (Verbena officinalis) in Wein sowie einen Umschlag aus gekochtem W.-Kraut als Mittel gegen Zahnschmerzen. Gegen Nieren- oder Lendenschmerz helfe die Einreibung einer Salbe, in der sich die Wärme von Wermut, Raute (Ruta graveolens) und Bärenfett vereinige. Gegen Gicht empfiehlt sie eine Einreibung mit folgender Rezeptur: "Zerstoße Wermut (Blätter) in einem Mörser zu Saft, dann nimm einen Teil Hirschmark, zwei Teile Hirschtalg und vier Teile von diesem Wermutsaft (Brei). Daraus mache eine Salbe. Ein Mensch, der von schwerstem Rheuma geplagt wird, so, dass sogar seine Glieder in den Gelenken zu zerbrechen drohen, den salbe nah am Feuer dort ein, wo es ihm weh tut, und er wird geheilt."
Die Volksmedizin kannte ähnliche Heilanzeigen wie die Klostermedizin.
Im ma. Aberglauben galt W. seines starken Geruchs wegen als Dämonen-, Hexen- und Mäusevertreibungsmittel. Zum Schutz des Neugeborenen und der Kindsmutter räucherte man deren Bett mit Wermut („Wiegenkraut“).