Zeichensetzung

Aus Mittelalter-Lexikon
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Zeichensetzung. Im FMA. Ist man von der fortlaufenden Schreibweise (scriptio continua), bei welcher die einzelnen Wörter nicht durch Zwischenräume getrennt waren, zugunsten einer Schreibweise abgegangen, bei der einzelne Texteinheiten (z.B. Verszeilen) nach rhetorischen Gesichtspunkten voneinandervoneinander geschieden wurden. Als „Pausenzeichen“ benutzte man einen tiefgesetzten Punkt („comma“, kurze Pause), einen auf die Zeilenmitte gesetzten Punkt („colon“, mittlere Pause) und einen an den oberen Zeilenrand gesetzten Punkt („periodus“, Satzende). Der Textanfang und der Beginn eines neuen Abschnitts konnten durch Großbuchstaben markiert sein. Nach 950 trennte man Wörter auch nach morphologischen und grammatischen Kriterien, was sowohl das Erlernen der lat. Sprache als auch das Textverständnis erleichterte Es sollte jedoch noch bis zum 12. Jh. dauern, bis sich die Getrenntschreibung allgemein durchgesetzt hatte. Vom 8. Jh. an markierte man einen ansteigenden Sprechton durch eine ®Neume in Form unseres Fragezeichens. Das comma wurde im 15. Jh. häufig durch die „virgula“ (Virgel, = Schrägstrich) ersetzt.