Zirkelbrüder

Aus Mittelalter-Lexikon
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Zirkelbrüder (mnd. cirkelbroder, cirkeler). Wahrscheinlich nach dem Vorbild niederländischer Spielbruderschaften ("gesteelijke broederschappen", "Rederijker") des SMA. gründeten 1379 Lübecker Patrizier die Spielervereinigung der "Zirkelbrüder" (s. Zirkeler), die alljährlich ein moralisierendes ®Fasnachtsspiel aufzuführen hatte. (Der Name rührt von dem Zirkel im Wappen der Bruderschaft, der möglicherweise den „Kreis“ der Spielerschar oder die hl. Trinität symbolisiert.) Neben mehr als 70 Lübecker Fasnachtspiel-Titeln hat sich als einziger Text der des "Spiel vom Henselyn" (um 1490) erhalten. Der weise Narr Henselyn kommentiert darin auf sarkastische Weise die erfolglose Suche dreier Brüder nach der Gerechtigkeit. Den Epilog spricht Henselyn: Gerechtigkeit ("rechtverdicheyt") ist bei keinem Stand der Welt zu finden, einzig "in der Seele des Menschen". Spieltag war der Faschingsdienstag, das Publikum bestand aus Patriziern und dem gehobenen Bürgertum.